Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

10.07.2002

Wie bringe ich trägen Darm in Schwung ?

Reichliches Trinken ist das A und O


Jeder 5. Erwachsene leidet an chronischer Verstopfung, die ganz überwiegend auf falsche Ernährung zurückzuführen ist, vor allem auf Mangel an Ballaststoffen, zu wenig Bewegung und die Einnahme gewisser Medikamente. Auch die verringerte Flüssigkeitsaufnahme im Alter führt zur sogenannten Hartleibigkeit.

Oftmals reicht eine Umstellung der Lebensgewohnheiten aus oder aber ein Schluck kalten Wassers bzw. die Morgenzigarette, um die Darmtätigkeit in Gang zu setzen.

Ernähren Sie sich Faser- und Ballaststoffreich, essen Sie also reichlich Obst, Gemüse und Getreideprodukte (Müsli). Trinken Sie zudem mindestens 2 Liter Mineralwasser täglich, sofern keine Herzmuskelschwäche besteht. Bewegen Sie sich regelmäßig, auch wenn es nur die Gymnastik im Wohnzimmer ist. Abführmittel wie Bisacodyl (Dulcolax), Natriumpicosulfat (Laxoberal) oder Anthrachinone (Kräuterlax) regulieren - akut angewendet - zwar zuverlässig den Stuhlgang, können aber langfristig den Mineralhaushalt (Kaliummangel !) durcheinanderbringen. Auch die Darmmuskeln werden mit der Zeit immer träger und die Darmschleimhaut leidet unter der Dauerreizung. Übrigens: die genannten Wirkstoffe sind auch in rein pflanzlichen Abführmitteln wie Sennesblättern oder Faulbaumrindenextrakten enthalten.

Fallen Sie also nicht herein auf vermeintlich 'milde' pflanzliche Laxantien. Für eine längere Therapie besser geeignet sind Abführmittel, die langsam und schonend wirken und kaum Nebenwirkungen haben. An erster Stelle sind hier Quellstoffe wie Leinsamen, Weizenkleie und indischer Flohsamen zu nennen. Gemeinsam ist diesen Substanzen, dass sie im Darm nicht verdaut werden, jedoch Wasser binden und den Stuhl dadurch stark aufquellen lassen.

Das A und O bei der Therapie mit Quellstoffen ist die reichliche Flüssigkeitszufuhr. Nur so wird sichergestellt, dass die Quellstoffmasse nicht verklumpt und den Darm als Pfropf verschließt.

Auch bestimmte Zucker, sogenannte unverdauliche Zweifachzucker, wie Lactulose (Bifiteral), regen die Darmtätigkeit an. Diese Zucker werden von Darmbakterien zu Milchsäure umgewandelt - zu Substanzen also, die Wasser im Stuhl binden und die Darmbewegung fördern. Vorteil: übermässiges Trinken ist nicht notwendig und eine angegriffene Darmflora wird ganz nebenbei wieder aufgepäppelt.

Ein kleines Problem bei Quellstoffen und Zweifachzuckern besteht darin, dass diese ein Leckerbissen für Bakterien im Dickdarm sind. Die Bakterien knabbern die Substanzen an und zersetzen sie zum Teil. Dabei entstehen Gase, die anfänglich unangenehme Blähungen hervorrufen können. Abführen ohne Blähungen ist dagegen mit sogenannten Macrogolen (Movicol) möglich, die reichlich Wasser binden und den Stuhl aufweichen, ohne dabei aufzuquellen. Macrogole werden auch nicht von Darmbakterien zersetzt und verursachen daher keine Blähungen. Die Macrogole werden seit einigen Jahren auch zur Vorbereitung bei Darmspiegelungen verwendet, da sie komplett wieder ausgeschieden werden.

Sollten alle diese Maßnahmen nicht ausreichen, so kann als der Weisheit letzter Schluß durchaus auf das gute alte Klistier (Einlauf) zurückgegriffen werden, das in jeder Apotheke als Mikroklistier erhältlich ist. Dabei wird eine Flüssigkeit in den Enddarm eingebracht, die dann über einen Defäkationsreiz Stuhlgang auslöst.Bei gleichzeitig bestehenden abdominellen Beschwerden, Blut- oder Schleimabgängen, Gewichtsabnahmen und allgemeinem Krankheitsgefühl sollte allerdings immer eine gründliche Darmuntersuchung mit Endoskopie erfolgen, um organisch bedingte Erkrankungen, insbesondere das immer häufigere Dickdarmkarzinom, nicht zu übersehen.

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