Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

17.10.2001

Wenn Transaminasen mal wieder rasen

Thema Fettleber und Alkohol


Herr Doktor, ganz ehrlich, ich trinke so gut wie nie Alkohol. Der Kasten Bier im Keller steht noch vom letzen Jahr, und der Blasheimer Markt ist längst vorbei.“

Dennoch sind Herrn Müllers Leberwerte, auch als Transaminasen bezeichnet, stattlich erhöht, die Gamma-GT auf das Doppelte, die GPT nur leicht und die GOT grenzwertig.

Nun ist Herr Müller ein kräftiges Mannsbild von rund zwei Zentnern bei einer Körpergröße von 180 Zentimetern, also gut 20 Kilos zu schwer und obendrein noch Diabetiker. Nach Kenntnis dieser Vorgeschichte dürfen wir dieses Schwergewicht von Mensch nicht vorschnell unter die Rubrik „Säuferleber“ einordnen. Wir täten ihm Unrecht.

Herr Müller hat aller Wahrscheinlichkeit nach eine sogenannte nicht alkoholische Fettleberhepatitis, die häufig bei Adipösen und Diabetikern vorkommt. Der Zusatz Hepatitis steht für die entzündliche Komponente im Gegensatz zur einfachen Fettleber, wie sie im Ultraschallbild öfters gefunden wird.

Auch Medikamente und seltene Erkrankungen können zur Fettleberhepatitis führen. Wichtig ist jedoch die Abgrenzung der alkoholischen von der nicht alkoholischen Fettleber.

Im ersteren Fall ist durch eine mehrmonatige Alkoholabstinenz eine Normalisierung der Fettleber und Transaminasen denkbar einfach und zum kassenfreundlichen Nulltarif erreichbar.

Immer wieder wird der Hausarzt mit der Frage konfrontiert: Wieviel Alkohol ist erlaubt oder gar gesund ? Insbesondere die Erkenntnis, dass Rotweintrinker weniger Herzinfarkte erleiden, hat so manche(n) tiefer ins Glas schauen lassen, als ihr/ihm gut tut.

Tatsache ist, dass nur ein maßvoller Alkoholgenuss bei gesunder Leber einen cardioprotektiven Effekt aufweist. Die nicht gesundheitsschädliche Menge reinen Alkohols pro Tag wird für Frauen mit 20 Gramm und für Männer mit 40 Gramm angegeben, was einem bzw. zwei Gläsern Wein à 0,2 Litern entspricht. Beim Bier dürfen die Gläser doppelt so groß sein. Personen mit Suchtgefährdung sollten auch dieses Gläschen in Ehren meiden.

Alkohol ist in unserer Fun-Gesellschaft auf Grund seiner freien Verfügbarkeit die am häufigsten konsumierte Droge und verdient daher keine besondere Anpreisung.

Schädigungen durch übermäßigen Alkoholkonsum überwiegen den Nutzen eines moderaten Alkoholkonsums bei Weitem, das ist gesichert. Falls Sie jedoch abends ein Glas Wein genießen, so müssen Sie kein schlechtes Gewissen haben!

Theodor Heuss, unser erster Bundespräsident, prägte den Spruch: „Wer Wein säuft, sündigt. Wer Wein trinkt, betet.“

Ihr Medicus