Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

12.09.2007

Wenn Oma und Opa ständig müde sind

Eisenmangelsyndrom: Erschöpfung oft erstes Zeichen


Beim Eisenmangelsyndrom(Iron Deficiency Syndrom, IDS) handelt es sich um die Vorstufe der Eisenmangelanämie(Iron Deficiency Anemia, IDA), also der Blutarmut bei schon reduziertem Serumeisen. Insbesondere Frauen im Menstruationsalter leiden an diesem „versteckten“ oder - fachmännisch ausgedrückt - latenten Eisenmangel.

Das Speichereisen (Ferritin) liegt unter 50ng/ml bei noch normalem Hämoglobin(Blutfarbstoff). Typisch sind Beschwerden wie Erschöpfungszustände, Konzentrations- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Haarausfall und depressive Verstimmung. Die Depression in den Wechseljahren wird nicht selten durch einen versteckten (IDS) oder echten Eisenmangel (IDA) verursacht. Der bisherige Normwert (20ng/ml) für das Speichereisen bei Frauen ist zweifelsohne zu niedrig angesetzt. Er sollte >50ng/ml liegen, am besten auf „männlichem“ Niveau (150-200ng/ml), um die Beschwerden eines IDS zu vermeiden.

Ursache oft Mangelernährung

Zur schnellen Aufsättigung eignen sich nach Erkenntnissen einer Schweizer Forschergruppe Eiseninfusionen über ein bis zwei Wochen und eine anschließende orale Erhaltungstherapie mit einem gut verträglichen Eisenpräparat. Wichtig ist es bei psychophysischen Erschöpfungszuständen nicht nur an eine Schilddrüsenunterfunktion, sondern auch an ein Eisenmangelsyndrom zu denken, selbst wenn der Serumeisenspiegel noch normal ist. Das gilt besonders für junge Frauen, die gerade erst ihre Regelblutung bekommen haben (Menarche), aber auch für Frauen in den Wechseljahren mit schon unregelmäßigen, dafür um so stärkeren Regelblutungen. Sonstige Eisenverlustquellen wie Magen-Darmblutungen sind natürlich bei entsprechenden Symptomen auszuschließen.

Eine weitere Ursache für einen latenten Eisenmangel ist die Fehl- und Mangelernährung im Alter. Das Kauen fällt schwer und statt eisenreichem Muskelfleisch, z.B. Rumpsteak, bevorzugen Hochbetagte oftmals Süppchen oder fett- und kohlenhydratreiche Speisen.

Wenn Opa oder Oma ständig müde sind, sollten daher auch einmal Serum- und Speichereisen bestimmt werden. Denn gegen leere Eisenspeicher, die früher oder später zur Eisenmangelanämie führen, zuvor aber schon Beschwerden machen, kann man etwas tun, z.B. durch Eisensubstitution in Form von Infusionen, Injektionen und Kapseln.

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