Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

19.05.2005

Wenn die Bauchschlagader platzt

Rechtzeitige Diagnose ist lebensrettend


Wussten Sie eigentlich schon, woran Albert Einstein gestorben ist? Bis vor kurzem wusste ich es auch nicht! Also, kein Grund sich zu schämen. Er starb an einer geplatzten Bauchschlagader (Aneurysma). Schon 1948 war er daran operiert worden. Eine erneute, dringend notwendige Operation lehnte er aber ab mit der ebenso bewundernswerten wie heroischen Begründung: „Ich möchte gehen, wann ich möchte. Es ist geschmacklos, das Leben künstlich zu verlängern. Der Tod ist eine alte Schuld, die man endlich entrichtet“.

Am 13. April 1955 wird Einstein ins Krankenhaus von Princeton eingeliefert, seine Bauchschlagader war geplatzt. Fünf Tage später verstirbt er im Alter von 76 Jahren. Damals war das Bauchaortenaneurysma (BAA) noch eine Rarität und auch schlecht zu diagnostizieren. Zudem starben die meisten Patienten, bevor die Bauchschlagader „bruchreif“ war, an anderen Krankheiten, denn sie wurden noch nicht so alt.

Eine dänische Studie an 12.639 Männern zwischen 64 und 73 Jahren, die zur einen Hälfte sonographiert, zur anderen Hälfte lediglich überwacht wurden, ergab bei den geschallten Patienten eine BAA-Rate von vier Prozent, von denen 49 operiert wurden, davon drei notfallmäßig. In der Kontrollgruppe wurden 31 Patienten operiert, 20 davon notfallmäßig. Nur sieben Patienten der Ultraschallgruppe, aber 27 Patienten der nur kontrollierten Gruppe starben an ihrem Aneurysma. Frühzeitige Erkennung des BAA ist somit von Vorteil.

Wie ist vorzugehen? Findet man ein BAA größer als 5,0 cm im Durchmesser, so sollte man dem Patienten entweder eine offene OP empfehlen, bei der das Aneurysma aufgeschlitzt und eine Rohrprothese eingelegt wird, oder es wird minimal-invasiv eine Gefäßstütze (Stent) vorgeschoben und im Aneurysma entfaltet. Vorteil der offenen OP ist die schon seit mehr als 50 Jahren bestehende Erfahrung.

Der Stent ist aber schonender, komplikationsärmer und damit eine Option für Ältere in schlechtem Allgemeinzustand. Aneurysmen zwischen 3 und 5 cm bedürfen einer jährlichen, ab 5cm einer vierteljährlichen Kontrolle, wenn man sich nicht zur OP entschließen sollte. Die Rupturrate zwischen 4 und 5,5 cm beträgt etwa ein Prozent jährlich, bei einem Riesenaneurysma von mehr als 7 Zentimetern aber schon 20 Prozent. Hier bewahrheitet sich die Aussage einer „Zeitbombe im Bauch“. Eine OP sollte in diesem Fall nicht länger hinausgezögert werden. In Deutschland sind mittlerweile mehr als 15 Millionen Menschen älter als 65 Jahre, 40 Prozent davon sind Männer. Viele rauchen, haben Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen als Risikofaktoren, die allesamt negativ auf die Gefäßwände einwirken.

Es drohen nicht nur Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern auch die Ruptur eines BAA. Ich habe es mir daher angewöhnt, bei einer Ultraschall-Untersuchung des Bauchraumes auch immer einen Blick auf die Bauchschlagader zu richten und manche „böse“ Überraschung erlebt, die in diesem Falle fast immer positive Effekte hatte.

Denn das Bauchaortenaneurysma ist heutzutage, rechtzeitig erkannt, heilbar. Ihr Medicus