Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

20.03.2006

Wenn der Magen gereizt ist

Gastritis und ihre Folgen


Rund 18 Prozent der Bevölkerung leiden häufig oder gelegentlich unter Magenbeschwerden, die hierzulande oft unter der Diagnose Gastritis laufen. Dabei ist die Gastritis eher eine endoskopische und histologische Diagnose, die durch eine Entzündung der Magenschleimhaut infolge Infiltration weißer Blutkörperchen verursacht wird. Vielfach steckt der berühmt-berüchtigte Magenkeim Helicobacter pylori dahinter, der auch zu Magengeschwüren führen kann, insbesondere bei Einnahme von Schmerzmitteln.

Klagt ein Patient über Brennen, Drücken, Völlegefühl, Aufstoßen oder allgemeine Oberbauchbeschwerden, so sprechen wir heute nach den internationalen Leitlinien von „dyspeptischen Beschwerden“ (Dyspepsie), die zu jeweils 50 Prozent funktionell oder organisch bedingt sind. Während Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre dank Ausrottung des Helicobacter heute kaum noch eine Rolle spielen, ist die säurebedingte Refluxkrankheit mit dem typischen Leitsymptom Sodbrennen auf dem Vormarsch.

Mit zwei einfachen Fragen lässt sich klären, ob die Magensäure mit im Spiel ist: 1. Haben Sie Schmerzen im Oberbauch oder hinter dem Brustbein?, 2. Fühlen Sie ein Brennen im Oberbauch oder hinter dem Brustbein?. Lautet die Antwort ja, so sollte sich eine probatorische vierwöchige säurehemmende Therapie mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI), zum Beispiel Omeprazol 40mg über 4 Wochen anschließen. Ist das Drücken und Brennen danach nicht weg, so ist eine Endoskopie der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarms erforderlich, um organische Ursachen wie Geschwüre, aber auch Karzinome auszuschließen.

Interessant ist die Beobachtung, dass etwa die Hälfte aller Patienten mit säurebedingter Gastritis unter Omeprazol 40mg schon nach einer Woche beschwerdefrei ist. Je stärker die Beschwerden sind und je länger sie dauern, desto dringlicher ist die Abklärung durch Endoskopie. Finden sich Geschwüre in der unteren Speiseröhre oder im Magen, verlängert sich die Therapie auf mindestens 8 Wochen.

Findet sich jedoch endoskopisch kein organischer Befund trotz Therapie, so haben wir es mit einer funktionellen Störung (Dyspepsie) zu tun, die oft auch als Blähbauch, Reizmagen oder Reizdarm beschrieben wird und gegen die motilitätsfördernde oder entblähende Mittel wie Domperidon oder Dimeticon (Lefax) wirksam sind. Auch alte Hausmittel wie feuchte, warme Wickel sind wirksam, was bekanntlich schon Wilhelm Busch bei Max & Moritz beschrieben hat: „Hoch ist da Frau Böck zu preisen! Denn ein heißes Bügeleisen, auf den kalten Leib gebracht, hat es wieder gut gemacht. Bald im Dorf hinauf, hinunter hieß es: Böck ist wieder munter.“Ihr Medicus