Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

28.10.2005

Wenn der Dickdarm auf „Abwege“ gerät

Mit ballaststoffreicher Kost Divertikulose vorbeugen


Die Divertikulose ist in Ländern mit hohem Lebensstandard sehr häufig. Während bei 40-Jährigen nur 10 Prozent betroffen sind, steigt die Zahl bei 80-Jährigen auf über 50 Prozent. Ursache ist die ballaststoffarme Ernährung, die zu einem geringen Stuhlvolumen mit verlängerter Colon-Transit-Zeit führt. Die daraus resultierende Druckerhöhung im Dickdarm führt zu umschriebenen Ausstülpungen der Schleimhaut durch präformierte Gefäß-Muskel-Lücken.

Die Divertikulose hat prinzipiell eine gute Prognose. Rund 80 Prozent aller Divertikelträger bleiben zeitlebens beschwerdefrei, nur bei 20 Prozent entwickeln sich mehr oder minder schwere Komplikationen.

Die häufigste und gefürchteste Komplikation ist die akute Divertikulitis, die einer Blinddarmentzündung ähnelt, weshalb sie oft auch als „linksseitige Appendizitis“ bezeichnet wird. Im Vordergrund stehen kolikartige Bauchschmerzen mit Fieber. Laborchemisch zeigen sich typische Entzündungszeichen wie erhöhte BSG, Leukozytose und erhöhtes CRP. Die Patienten klagen über Durchfälle, aber auch über hartnäckige Obstipation. Oft lässt sich der entzündete Darmabschnitt, in der Regel das Sigma, als druckschmerzhafte Walze tasten. Eine lokale oder diffuse Abwehrspannung spricht für die gefürchtete Perforation eines oder mehrerer Divertikel. Die freie Perforation in die Bauchhöhle geht mit starken Schmerzen, hohem Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl einher. Sie führt zu einer kotigen Bauchfellentzündung(Peritonitis). Es besteht akute Lebensgefahr.

Die langsam sich entwickelnde gedeckte Perforation mit Abszessbildung ist nicht immer von einer unkomplizierten Divertikulitis zu unterscheiden. Unterbleibt die rechtzeitige Operation, so kann sie tödlich enden. Eine weitere Komplikation der Divertikulose ist die Blutung, die immer koloskopisch abgeklärt werden sollte. Bei Älteren könnte auch ein Karzinom dahinter stecken.

Die unkomplizierte akute Divertikulitis wird mit Antibiotika über mindestens zehn Tage behandelt. Initial empfiehlt sich bei leichtem Verlauf eine ballaststoffarme Kost, beispielsweise mit Tee und Zwieback. Bei schwerem Verlauf sollte unter absoluter Nahrungskarenz eine parenterale Ernährung mit ausreichender Flüssigkeits- und Elektrolytbilanzierung erfolgen.

Eine zwingende Operationsindikation besteht bei Verdacht auf Perforation mit beginnender Peritonitis, Abszess- oder Fistelbildungen sowie Darmverschluss Als relative Indikationen gelten rezidivierende Divertikelblutungen, aber auch zwei oder mehr Divertikulitisschübe pro Jahr. Bei Patienten unter 40 Jahre sowie bei Patienten mit Immunerkrankungen sollte bereits nach dem ersten Divertikulitisschub operiert werden.

Wie erwähnt, handelt es sich bei der Divertikulose um eine typische Zivilisationskrankheit, die auf unsere faserarme Kost zurückzuführen ist. Um zu verhindern, dass aus einer Divertikulose eine Divertikelkrankheit wird, ist es wichtig, schon in jungen Jahren dem Darm etwas „anzubieten“. Ballaststoffreiche Kost mit viel Gemüse, Salaten, Obst vermindern und - im günstigsten Fall - verhindern, dass der Dickdarm auf „Abwege“ gerät.

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