Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

13.01.2004

Wenn das Wetter in die Glieder fährt . . .

Gibt es eine Wetterfühligkeit?


Herr Doktor, dieser ständige Wetterwechsel zur Jahreswende mit Regen und Schnee, vor allem die nasse Kälte, sind mir in die Glieder und den Rücken gefahren. Ich kann mich vor lauter Schmerzen kaum noch rühren. Bitte geben sie mir eine ordentliche Spritze, dass ich wieder auf die Beine komme!“

So oder ähnlich lauten die Klagen zur Jahreswende, die in unseren gemäßigten Breiten oftmals zu hören sind. Was ist aber dran an der Wetterfühligkeit? Beim echten Rheuma, das mit starker Gelenkentzündung einhergeht, führt der plötzliche Wetterwechsel zu einer Verschlimmerung der Beschwerden. Ähnliches gilt für das Fibromyalgiesyndrom- eine nichtentzündliche Muskelerkrankung- und den Morbus Bechterew, eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäulengelenke, die zu einer bambusstabartigen Verknöcherung der Wirbelsäule führt.

Typisch ist der nach vorne geneigte Gang. Insbesondere der plötzliche Wetterwechsel vom Hoch zum Tief mit zunehmender Luftfeuchtigkeit erhöht die Schmerzempfindlichkeit sensibler Personen. Nach Durchzug einer Kaltfront ist deren Rückseite tunlichst zu meiden, was in den seltensten Fällen möglich ist.

Weniger die abfallenden Temperaturen als vielmehr die hohe relative Luftfeuchtigkeit ist der Grund für Glieder- und Weichteilschmerzen. Eine oftmals behauptete Vorfühligkeit des Rheumatikers für den Wetterwechsel ist hingegen nicht bewiesen.

Über die Ursachen der Schmerzauslösung beim Wetterwechsel gibt es mehr Meinungen als gesicherte Erkenntnisse. Zum einen kann die Kälte zu einer Eindickung der Gelenkschmiere und damit zu einer vermehrten Gelenksteife führen. Zur Diskussion stehen auch die Aktivierung von temperaturempfindlichen Schmerzrezeptoren, Dehnungsschwankungen der Muskeln, Sehnen und Gelenke sowie luftdruckabhängige Schwellungszustände der Gelenke.

Grau ist alle Theorie, grün allein des Lebens goldner Baum, sagte einst unser Dichterfürst, J.W.v.Goethe, was der Bayer von heutzutage ganz salopp als „nichts Genaues weiß man nicht“ umschreiben würde.

Was tun gegen das „Reißen“

in den Gliedern?

Was ist also zu tun gegen das „Reißen“ in den Gliedern? Auf nach Mallorca oder -besser noch- auf die Kanaren mit einer Durchschnittstemperatur im Jahr von mehr als 20 Grad und einer relativen Luftfeuchte von weniger als 40 Prozent.

Halt, bevor Sie voreilig Geld ausgeben! Nur eine einzige Studie konnte eine nachhaltige Linderung der Beschwerden durch einen Umzug in die Subtropen nachweisen! Selbst Rheumatiker, die sich in das milde Klima Australiens begaben, klagten über Empfindlichkeiten in Abhängigkeit von saisonalen Wetterumschwüngen. Am besten, man/frau heilt sich örtlich.

Außer einer vielfältigen Therapie mit schmerzlindernden, entzündungshemmenden Medikamenten gibt es ja noch die physikalische Therapie mit Moor- und Thermalbädern, Fangokneten und viel Bewegung, sofern die entzünliche Aktivität sich in Grenzen hält. Hinzu kommt die regelmäßige Bewegung, denn wer rastet, rostet.

Auf das Klima können wir unmittelbar keinen Einfluss nehmen. Lang vorbei sind die Zeiten, in denen uns der Winter über viele Wochen ein stabiles Hoch mit wenig Gliederschmerzen bescherte oder wie sich M.Claudius so schön ausdrückte: „Der Winter ist ein rechter Mann, kernfest und auf die Dauer...“

Ihr Medicus