Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

19.03.2003

Wenn Angst zur Panik wird

Die typischen Symptome einer Phobie


Jeder Arzt ist froh, wenn er „prima vista“, was soviel heißt wie auf Anhieb, eine Diagnose stellen kann, und zwar ganz ohne weitere Hilfsmittel wie Labor, Ultraschall oder sonstigem „Gedöns“.

Kürzlich erlebte ich einen solchen Fall. Eine junge Frau schilderte mir, beim Einssteigen in einen Bus oder beim Einkaufen im Supermarkt in panische Ängste zu verfallen. Diese seien so schlimm, dass sie fortan diese Räume meide. „Platzangst“, schoss es mir durch den Kopf, ganz klar Platzangst. Dieser Begriff, der in der medizinischen Fachsprache als Agoraphobie bezeichnet wird, was im Griechischen so viel bedeutet wie „Angst vor dem Marktplatz“, wird heute auch für Ängste vor Menschenansammlungen und engen Räumen verwendet.

Typisch für die Phobie ist eine irrationale Furcht vor Objekten, Plätzen, Situationen und Aktivitäten, ohne dass eine reale Gefahr besteht. Einfache Phobien sind bekannt als Furcht vor gewissen Tieren, wie z.B. Schlangen oder Spinnen.

Auch soziale Phobien mit Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen sind nicht selten und führen zur Vermeidung spezieller Situationen, wie z.B. Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit. Die schwerste Form der Angststörung ist die Panikattacke.

Sie kann von einer Phobie ausgelöst werden, tritt aber häufiger ohne einen speziellen Stimulus auf. Am häufigsten ist die Panikattacke im Rahmen einer generalisierten Angststörung. Charakteristisch sind körperlichen Symptome wie Atemnot, Beklemmungsgefühle, Schwindel, Taubheitsgefühl, Herzrasen und Schweißausbrüchen.

Furcht vor neuer Attacke kann lange anhalten

Die Furcht an einem Herzinfarkt zu versterben oder aber „verrückt“ zu werden, tritt oft hinzu. Die Panikattacke entwickelt sich plötzlich und klingt in der Regel ebenso plötzlich wieder ab. Das eigentliche Problem liegt in der langanhaltenden Furcht vor einer erneuten Attacke, der „Angst vor der Angst“. Diese Erwartungsangst führt zu einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten.

Manche trauen sich aus ihrer Wohnung nicht mehr heraus. Auch besteht eine höhere Selbsttötungsrate, insbesondere bei oft gleichzeitig vorhandenen depressiven Störungen. Viele versuchen ihre Ängste mit Alkohol und Drogen zu bekämpfen, was nur betäubt. Nach Abklingen der Drogenwirkung sind die Ängste umso schlimmer.

Manche trauen sich aus ihrer Wohnung nicht mehr heraus

Wie kann man diesen Menschen helfen? Bei der akuten Angststörung mit oder ohne Panikattacken hat sich die kurzfristige Gabe (bis vier Wochen) von Benzodiazepinen als wirksam erwiesen. Mittelfristig sollten die „Benzos“ durch nicht abhängigmachende Psychopharmaka ersetzt werden. Außer den trizyklischen Antidepressiva älteren Typs wie Imipramin(Tofranil) und Clomipramin(Anafranil) bieten sich vor allem die neueren selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer an, z.B. Paroxetin.

Bei allen Panikstörungen mit Phobie sollte parallel eine Verhaltenstherapie erfolgen, die die erkrankte Person gewissermaßen gegen den auslösenden Stimulus unempfindlich machen soll. Unter Ausschöpfung dieser Maßnahmen können etwa die Hälfte der Panik-Kranken gebessert oder geheilt und die Medikation letztlich abgesetzt werden. Ihr Medicus