Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

31.12.2003

Weihnachtsgans und Neujahrskater

Gesundheitliche Gefahren zur Jahreswende


Was liegt zwischen Weihnachtsgans und Gallenkolik? Diese Frage stellte mir kürzlich ganz ehrlich ein Patient. Die korrekte Antwort lautete: der erste Weihnachtstag.

Wenn nicht unmittelbar nach fettreicher Mahlzeit das Schicksal oder der „liebe Gott“, der bekanntlich kleine Sünden sofort bestraft, zuschlägt, so folgt spätestens am dritten Tag (in der Regel am zweiten Weihnachtstag) die Rache in Form einer Gallenkolik auf dem Fuß. Waren die Gallensteine bislang stumm, wurden sie in Form einer Reizmahlzeit – in diesem Fall der fettigen Weihnachtsgans – durch eine Kontraktion der Gallenblasenmuskulatur zum Ausgang getrieben.

Die Gallenblase hat nun leider nur einen Ausgang, einen Notausgang gewissermaßen, den Gallenblasenhals. Schnürt sich die Gallenblase zusammen und bleiben die Gallensteine stecken, so entsteht die äußerst schmerzhafte Kolik. Wird der Stein „erfolgreich“ weiterbefördert in den Hauptgallengang, so resultiert erst einmal Schmerzlinderung, mittelfristig aber Gallestau, sprich Gelbsucht (Ikterus). Die Menschen sind dann quittegelb aufgrund der Abflussbehinderung des galligen Sekrets.

Hinzu kommt die Gefahr der Gallenblasenentzündung. In diesem Fall bleibt nur noch das Messer, das heißt, die Frühoperation, die häufig als minimal invasiver Eingriff ohne großen Bauchschnitt durchgeführt werden kann. Hier gilt der Satz ähnlich wie beim Herzinfarkt: Zeit ist Leben!

Neben den diversen Reizmahlzeiten für Leber, Magen und Darm zu Weihnachten und zur Jahreswende sind auch die so genannten spirituellen Getränke eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben. Frühform der alkoholischen Leberschädigung ist die Fettleber. Von ihr spricht man, wenn mehr als 20 Prozent des Lebergewebes aus Fett bestehen. Die Leber ist damit aber noch lange nicht am Ende. Sie ist ein durch und durch gutmütiges Organ mit großer Regenerationsfähigkeit. 10 Prozent intaktes Lebergewebe reichen für die Regeneration, vorausgesetzt es wird nicht weiter gesündigt.

Für den Alkoholabhängigen heißt das: Schluss mit dem Suff – sonst geht‘s ab in die Kiste!

Für den Nicht-Alkoholabhängigen gilt das Leber schonende Prinzip „mäßig und nicht(!) regelmäßig“. Gönnen Sie ihrer Leber durchaus einmal eine Pause von mehreren Tagen oder auch Wochen. Früher nannte man das Fasten. Dieses Fasten muss nicht erst nach Karneval, genauer gesagt, am Aschermittwoch, einsetzen. Es kann durchaus schon nach dem Neujahrskater als erster guter Vorsatz für das neue Jahr beginnen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie einen guten Start ins neue Jahr – und bleiben Sie gesund!

Ihr Medicus