Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

27.04.2005

Was ist Schwindel ?

Ein Symptom mit vielen Ursachen


Ein ausgesprochen häufig geschildertes Symptom in der hausärztlichen Praxis ist der Schwindel. Nahezu jeder zweite Patient über 70 Jahre leidet daran. Die Ursachen sind vielfältig. Bei Hochbetagten überwiegen die arteriosklerotisch bedingten Durchblutungsstörungen mit Veränderungen an den Gefäßen, insbesondere den Halsschlagadern (Karotisstenosen). Bluthochdruck und Herzmuskelschwäche treten verschlimmernd hinzu. Wir unterscheiden den gerichteten (systemischen) vom ungerichteten (unsystemischen) Schwindel. Letzterer ist gekennzeichnet durch eine „Leere im Kopf“ mit Benommenheit oder Taumeligkeit. Der gerichtete Schwindel ist charakterisiert durch ein unangenehmes Dreh-, Schwank- oder Liftgefühl. Technisch gesprochen entsteht Schwindel durch eine Fehlinformation des Körpers über seine Stellung im Raum.

Drei Messsysteme geben permanent Informationen an das Hirn: das Auge, das Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat) und das so genannte propriozeptive System, womit die Messfühler in unseren Muskelspindeln gemeint sind.

Stimmen die Informationen aus den drei genannten Systemen nicht überein, so resultieren Schwindel, Übelkeit und Erbrechen.

Klassisches Beispiel ist die Seekrankheit. Hierbei werden laufend zwei entgegenwirkende Informationen verarbeitet. Beim Schlingern versucht man eine aufrechte Position beizubehalten, während unsere Augen einen wechselnd schräg gesehenen Horizont vermitteln. Probates Mittel dagegen: eine möglichst ruhige Position in Schwerpunktmitte des Schiffes, die Augen schließen und eine „Reisetablette“ (Dimenhydrat) einnehmen.

Am häufigsten ist der gutartige Lagerungsschwindel, der durch Drehschwindelattacken bei gewissen Kopf- und Körperbewegungen gekennzeichnet ist. Durch spezielle Übungen kann man ihn abtrainieren. Der akute Vestibularisausfall, auch als Neuritis vestibularis bezeichnet, führt zu tagelangem Drehschwindel, Fallneigung sowie Übelkeit und Erbrechen. Auslöser sind vorangegangene Infekte. Ähnliche Symptome zeigt der attackenweise Drehschwindel des Morbus Menière, bei dem zusätzlich noch Ohrgeräusche und Hörminderung auftreten. Zunehmend häufiger wird der phobische Schwankschwindel beobachtet, der durch die Erwartungsangst („ich falle“) stark situationsabhängig ist und dem eine illusionäre Wahrnehmungsstörung zu Grunde liegt.

Eine Fülle weiterer Ursachen von Schwindel gibt es zu bedenken, wie etwa Sehstörungen, Tumoren, Multiple Sklerose, Depressionen, Halswirbelblockierungen und Nebenwirkungen von Medikamenten (Benzodiazepine).

Im Rahmen meines Artikels konnte ich das komplexe Thema nur streifen. Falls es Ihnen jetzt „schwindelt“, wenden Sie sich doch vertrauensvoll an Ihren Hausarzt. . .

Ihr Medicus