Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

04.08.2003

Warum Frühaufsteher so erfolgreich sind

Der biogene Rhythmus entscheidet


Herr Doktor, tagsüber bin ich so müde und nachts kann ich nicht schlafen.“ Jeder Hausarzt hört Klagen dieser Art zu Hauf. Ursache ist eine Störung des biogenen Rhythmus, denn Morgenstund' hat Gold im Mund oder wie der Engländer sagt: early bird gets the worm.

Erfolg und Leistungsfähigkeit ist immer eine Frage des Zeitpunkts. Will sagen, in der Zeit bis Mittag erreicht die Leistungskurve der meisten Menschen ihren Höhepunkt.Biochemisch gesehen kommt das vom Ausstoß der Hormone in den frühen Morgenstunden, insbesondere von Adrenalin und Kortison. Beide Hormone machen wach und Kortison lässt uns obendrein Streßsituationen besser ertragen.

Das Mittagessen ist eine kleine Zäsur, bei der man im Gespräch mit Kollegen und Freunden gut abschalten kann. Allzu üppig und fettig sollte es nicht sein, denn plenus venter non studet libenter – was so viel heißt wie: ein voller Bauch studiert nicht gern. Andernfalls befällt uns unwiderstehlich die sogenannte postprandiale Müdigkeit, wie die Schläfrigkeit nach üppiger Mahlzeit medizinisch korrekt bezeichnet wird.

Nach dem Essen sollst du rauchen oder ruhen und dann tausend Schritte tun, lautet eine altbekannte Lebensweisheit. Ersteres wollen wir gleich streichen, da ungesund. Das zweite, die im spanischen auch als Siesta bezeichnete mittägliche Pause, ist für Übergewichtige nicht zu empfehlen. Am besten ist immer noch der Verdauungsspaziergang nach dem Essen. Nach dem Bummel ist auch ein Mittagschläfchen erlaubt, das wirklich nur ein „Schläfchen“ sein sollte, also nicht länger als eine halbe Stunde.

Salvadore Dali, der berühmte surrealistische Maler, führte als Ursache für seine bis ins hohe Alter andauernde Schaffenskraft und Kreativität an, die Zeit durch schnelles Regenerieren besonders intensiv zu nutzen. In der Erholungsphase nach dem Mittagessen nahm er einen Teelöffel zwischen Zeigefinger und Daumen und versuchte zu entspannen. Nach kurzer Relaxation fiel der Löffel auf einen darunterliegenden Teller, worauf der Künstler erwachte und sich wieder voller Schaffenskraft und Tatendrang seiner Kunst widmen konnte.

Der kurze Mittagschlaf, der sogenannte Hühner-Nick, ist also durchaus der Leistungssteigerung förderlich. Am Nachmittag steigt die Leistungskurve zwar kurzfristig erneut, erreicht aber nie wieder die Höhe des Vormittags. Das spricht dafür, jetzt vorzugsweise Routinearbeiten zu erledigen.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Es gibt auch die Nachtaktiven. Einige wenige Zeitgenossen (innen) haben dann ihr Leistungsoptimum. Das ist nicht verwerflich. Diese Menschen muss es auch geben! Wer macht denn sonst Nachtwachen, Notdienste oder Bestattungen?

Achten Sie also auf Ihren Biorhythmus und versuchen Sie ihn zu optimieren. Denn, wie schon gesagt, early bird gets the worm!

Ihr Medicus