Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

"NW"-Kolumne "Ihr Medicus"


12.07.2001

Vor dem Aufbruch in die Ferne

Was bei Reisen zu beherzigen ist


Unvorbereitete Reise bringt unglückliche Wiederkehr, so steht es bei Goethe. Vor jedem Aufbruch in die Ferne sollte der Impfstatus überprüft werden.

Neben den üblichen Impfungen wie Diphterie, Wundstarrkrampf sowie Kinderlähmung (Polio) ist bei Fernreisen auch der Schutz vor Hepatitis A und B zu überprüfen bzw. aufzufrischen und die Malariaprophylaxe zu beachten.

Die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) droht vorwiegend in Süd-Osteuropa und kann durch eine rechtzeitige Impfung verhindert werden. Gegen die häufige Borreliose gibt es noch keine Impfung. Die rechtzeitige und komplette Entfernung der Zecke ist der beste Schutz gegen Folgeschäden, bei lokaler Entzündung Antibiotikagabe.

In jede Reiseapotheke gehören Schmerz- und Fiebermittel (Aspirin/Paracetamol), Halstabletten, Gurgelösungen, Hustenmittel (Codein), aber auch Mittel gegen Allergien, Sonnenbrand und Mückenstiche, wie z. B. Loratidin/Cetirizin(Tbl.) , Soventol/Fenistil Gel oder als Creme mit Hydrocortison bzw als stärkstes lokales Mittel eine kortisonhaltige Lotion (z.B Triamgalen). Letztere ist besonders kühlend und entzündungshemmend und allen Personen zu empfehlen, die zu stärkeren Hautreaktionen neigen, einschließlich den auch als "Sonnenlichtallergien" bekannten Lichtdermatosen mit denen viele Hellhäutige("keltischer Hauttyp") zu kämpfen haben. 

Nicht zu vergessen sind ein Päckchen Verbandsmaterial mit Hansaplast, Mullbinden, Pinzette (Entfernung von Fremdkörpern) und Schere sowie Wunddesinfektionsmittel (Octenisept), Augen- und Ohrentropfen (Taucher!) und bei Anfälligkeit ein Mittel gegen Lippenherpes (Aciclovir Creme).

Die beste Prophylaxe gegen Magen-Darm Infekte, wie sie in Ländern mit niedrigem Hygienestandard gang und gäbe sind, ist der Grundsatz: „Peel it, boil it, cook it or forget it.“ Frei übersetzt: Finger weg von ungeschältem Obst, Salat, halbgegarten oder lauwarmen Speisen, rohem Fleisch und Fisch, Leitungswasser, aber auch Eiswürfeln und Speiseeis.

Andernfalls droht die Reisediarrhoe, besser bekannt als Montezumas Rache, die schönsten Tage des Jahres zu vermiesen. Eine gewisse Prophylaxe kann eine Woche vor Abfahrt mit dem Hefepilz Saccharomyces boulardii (Perenterol) betrieben werden. Sicherheitshalber sind Antidiarrhoika wie Loperamid (Lopedium) und stuhleindickende Mittel (Colina) mitzunehmen. Gegen Übelkeit und Reisekrankheit hat sich Metoclopramid (MCP) bewährt.

Bei erhöhter Infektneigung ist ein Breitspektrumantibioticum, das sowohl gegen Atemwegs-/Harnwegs- sowie MagenDarminfekte wirksam ist, wie z. B. Chinolone (Tavanic) bzw für Kinder Amoxicillin, einzupacken. Chronisch Kranke sollten natürlich genügend ihrer Dauermedikamente mitnehmen (Herz-/Blutdruckmittel, Insulin, Asthmamittel etc.) und bei  Einnahme von Betäubingsmitteln(Opiaten) ein international gültiges Attest bei sich führen!

Bei Fernreisen mit starker Zeitverschiebung (“Jet Lag“) ist der Tag-Nacht-Rhythmus dem Zielort anzupassen, bei gestörter Schlafrhythmisierung gegebenenfalls ein Schlafmittel einzunehmen. Die Malariaprophylaxe richtet sich nach dem Zielort in den Tropen und sollte, falls vom Reiseveranstalter nicht schon empfohlen, mit dem Hausarzt abgesprochen werden.

Keine noch so gut geplante Reise ohne kleine Pannen! Auf einer Reise in die Tropen hatte ich jede Menge Durchfallmittel dabei. Nur an ein Mittel gegen Verstopfung hatte ich nicht gedacht!

Ihr Medicus