Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

28.12.2005

Von Dilatation, Stent und Stemi

Wieviel medzinischer Fachjargon muss sein ?


Neulich saß wieder einmal ein Patient vor mir im Sprechzimmer, der gerade aus einer Herzklinik entlassen worden war, mir den vorläufigen Entlassungsbericht präsentierte und Auskunft verlangte. Der Bericht war auf Grund einer typischen „Doktorschrift“ kaum lesbar und erinnerte an Hieroglyphen. Der aufgeweckte Patient klärte mich aber schnell auf understattete einen wahren Erlebnisbericht.

„Sie hatten mich ja wegen Verdacht auf Herzinfarkt eingewiesen! Die haben mir gleich Blut abgenommen und einen Troponin-Test gemacht. Daraufhin hieß die Diagnose on-Stemi, woraufhin ein Herzkatheter durchgeführt und ich mit einemBallon ,aufgepustet’ und ein ,Stent’(Gefäßstütze) eingesetzt wurde, der mit so einem Zeug imprägniert ist, das wie ein Putzmittel klingt (Taxol). Am nächsten Tag mußte ich noch wegen der blutverdünnenden Medikamente-Plavix und ASS-die ,schwarze Mamba’ schlucken, um Magengeschwüre auszuschließen, die dann aufbrechen könnten.“

Es wurde nach Aussagen des Patienten jedoch nur ein „Helikopter“ (Helicobacter pylori) im Magen gefunden, der momentan harmlos sei und den man mit mit einer „Eradikationstherapie“(Ausrottungstherapie) „ratz-fatz“ vernichten könnte. So ähnlich hieße auch das empfohlene Medikament dagegen.

Als ich den Namen ZacPac erwähnte stieß ich auf begeisterte Zustimmung. Nachdem wir uns gemeinsam durch die „Doktorschrift“ gewühlt hatten, fragte er mich: „Warum müssen Ärzte sich immer so kompliziert ausdrücken?“ Guter Rat war jetzt teuer. Ich erinnerte mich an die Worte meines Vaters, eines langgedienten „Praktikers“ : „immer wenn die Ärzte mit ihrem Lateinam Ende sind, dann sprechen sie Latein“.

Dem war hier aber nicht so. Erstens waren die meisten Fremdwörter in Englisch, der heutigen internationalen Sprache der Wissenschaft. Zweitens war ihm ja auch geholfen worden mit Ballondilatation und Stent. War es nicht die zeitsparende Prägnanz international anerkannter Fachausdrücke, die dem Hausarzt die Situation schnellstmöglich veranschaulichte?! Fürs „Übersetzen“ in die patientengerechte Sprache gibt es ja noch den guten, „alten“ Hausarzt.

Wollen Sie jetzt noch wissen, was ein Non-Stemi ist?Kein Verwandter des Yeti oder ähnliches, sondern ein Non-ST-Elevations-Myokardinfarkt, also ein Herzinfarkt, der nur anhand eines spezifischen Herzenzyms(Troponin) und nicht im EKG sichtbar ist.

Ihr Medicus