Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

10.01.2002

Vom chronischen Husten zum Asthma

Wüstenklima gegen die Hausstaubmilbe


Herr Doktor, von meiner eitrigen Bronchitis vor mehr als sechs Wochen habe ich mich noch immer nicht erholt. Ständig dieser trockene Reizhusten und dann die Kurzatmigkeit bei leichter Belastung. Ich habe doch wohl kein Asthma?

Die mutige Selbstdiagnose ist gar nicht so verkehrt. Diese Person befindet sich auf dem „besten“ Wege über eine chronische Bronchitis ein Asthma bronchiale zu bekommen. Trotz Antibiotika-Therapie bleibt nach Atemwegsinfekten häufig eine bronchiale Überempfindlichkeit mit vermehrter Schleimproduktion, Reizhusten und sogar anfallsweiser leichter Atemnot zurück.

Verschlimmerung tritt ein bei Anstrengung sowie Inhalation von Zigarettenrauch, Abgasen und kalter Luft.

Verschlimmerung tritt ein bei Anstrengung und Einatmen verrauchter Luft

Zu unterscheiden ist dieses infektbedingte Asthma vom wesentlich häufigeren exogen-allergischen Asthma, das durch inhalative Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze oder über die Nahrung aufgenommene Allergene wie Milch, Hühnereiweiß, Nüsse, Zitrusfrüchte und gewisse Medikamente (Penicillin) ausgelöst wird.

Diese Allergene führen über die vermehrte Produktion eines spezifischen Eiweißkörpers (Immunglobulin E) zur Ausschüttung gefäßerweiternder und bronchialverengender Stoffe (Mediatoren).

Anfänglich zeigt sich häufig nur ein stark juckender Ausschlag, Augenjucken und Nasenlaufen, später kommt es dann zum so genannten „Etagenwechsel“ mit anfallsweiser Atemnot (Asthma).

Die Therapie des Asthma bronchiale ist so vielfältig wie seine Ursachen. Beim so genannten allergischen Asthma gilt es das Allergen auszuschalten (Expositionsprophylaxe). Das gelingt bei der empfindlichen Hausstaubmilbe durch ein trockenes Raumklima (Wüstenklima), zum Beispiel durch Anbringen von Lufttrocknern.

Die Räume, insbesondere das Schlafzimmer, sollten staubarm sein. In hartnäckigen Fällen helfen synthetische Bettbezüge bzw. -laken.

Der Pollenallergiker profitiert während des Pollenfluges vom Aufenthalt in geschlossenen Räumen. Schlechterdings ist das nur begrenzt möglich, so dass die prophylaktische und therapeutische Anwendung von Medikamente erforderlich ist.

Inhalative Therapeutika in Form von Dosieraerosolen(Sprays) haben sich bewährt, insbesondere inhalative Kortikoide. Die Angst vor letzteren ist unbegründet, da sie nur auf die Entzündung im Bronchialbaum und nicht „systemisch“ wirken, also kein „Vollmondgesicht“ (Cushing) als Nebenwirkung droht.

Gerade im aufgeführten Fall überempfindlicher Bronchien nach schwerem Infekt mit nicht abklingendem, quälendem Husten bewirkt die Inhalation eines Kortikoids oft Wunder. Die Entwicklung eines chronischen Asthma bronchiale wird dadurch verhindert und das (Ein-)Atmen wieder frei.

Wie brachte es Goethe so schön in Reim und Vers:

„Im Atemholen sind zweierlei Gnaden. Die Luft einziehen, sie ihrer entladen. Jenes bedrängt, dieses erfrischt. So bunt ist das Leben gemischt. Drum danke Gott, wenn er Dich presst und danke ihm, wenn er Dich wieder verlässt.“

Ihr Medicus