Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

08.02.2002

Volkskrankheit Osteoporose

Hormonmangel die häufigste Ursache


„Herr Doktor, ich habe mir innerhalb eines Jahres drei Knochenbrüche zugezogen, mit einem Schenkelhalsbruch lag ich sogar drei Wochen im Krankenhaus und jetzt diese dauernden Rückenschmerzen ... das kann doch nicht normal sein !“ Gewiss nicht.

Frau X. zeigte alle Anzeichen für eine Osteoporose, im Volksmund auch Knochenschwund genannt. Sie hatte auf den angefertigten Röntgenbildern regelrechte „Glasknochen“ mit kaum noch vorhandenen Knochenbälkchen. Mehrere Wirbelkörper waren zusammengesintert und die Deckplatten eingebrochen.

Eine Knochendichtemessung - wie in der Frühdiagnostik üblich - war durch den typischen Krankheitsverlauf nicht mehr nötig.

Viel wichtiger war es nun den weiteren Knochenschwund aufzuhalten und die Knochenmasse wiederaufzubauen.

Normalerweise ist die Aktivität von Osteoplasten (knochenaufbauende Zellen) und Osteoklasten (knochenabbauende Zellen) ausgeglichen.

Bei Frau X. waren aber die „Knochenfresszellen“ durch das Aussetzen der Regelblutung (Menopause) mit entsprechendem Oestrogenmangel übermütig geworden und hatten zu vermehrter Knochenbrüchigkeit geführt. Der Hormonmangel ist die häufigste Ursache für die Osteoporose und betrifft 30% aller Frauen in den so genannten Wechseljahren (Menopause).

In den ersten Jahren der Menopause beträgt der Verlust an Knochenmasse zwischen 2-10% (!). Verstärkend wirken familiäre Veranlagung, Alkohol- und Nikotinmissbrauch, Langzeitkortisonmedikation und chronische Darmerkrankungen mit Durchfällen.

Eine frühzeitige Hormonersatztherapie mit Oestrogenen, am besten in Form eines Pflasters, verhindert den rapiden Verlust an Knochenmasse in der Menopause.

Besteht schon ein massiver Knochenschwund, z.B. wie bei o.g. Patientin, so bedarf es der Zufuhr von Calcium (mind. 1g/Tag) und Vitamin-D oder Fluoriden. Diese bringen die Osteoblasten wieder in Schwung. Bei schon vorhandenen pathologischen Frakturen sind die so genannten Bisphosphonate unverzichtbar. Diese hemmen die Osteoklasten und sind hochwirksam gegen die oft quälenden Osteoporoseschmerzen.

Für Patient(inn)en unter Kortisontherapie (z.B. bei Rheuma oder Asthma) ist eine möglichst niedrige Kortisondosis anzustreben, ansonsten sind auch hier knochenaufbauende Präparate wie Calcium/Vitamin-D, Fluoride und Bisphosphonate wirksam.

Im Falle von Frau X. kam es schon nach vier Wochen Therapie mit Bisphosphonaten zu einer deutlichen Besserung der Rückenschmerzen und nach etwa einem 1/2 Jahr zur Normalisierung der Knochendichte.

Parallel zur medikamentösen Therapie bekam sie Krankengymnastik verordnet. Später schloss sie sich einer Osteoporosegruppe an, um mobil zu bleiben und die Knochenmasse zu erhalten.

Denn gerade für die Osteoporose gilt: Wer rastet, rostet.

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