Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

04.12.2003

Verbesserte Versorgung chronisch Kranker

Was und wofür steht „DMP“ ?


Viele Diabetiker werden von Ihren Krankenkassen aufgerufen und bisweilen sogar angerufen, sich am DMP zu beteiligen. Was ist denn das, fragt sich mancher verdutzte Patient. DMP steht für „Disease Management Program“, was auf deutsch soviel heißt wie Krankheitsmanagement-Programm. Warum einfach ausdrücken, wenn's auch kompliziert geht, möchte man meinen.

Die DMP Diabetes und Brustkrebs sind Vorläufer weiterer Programme für KHK, Bluthochdruck und Asthma, die noch in der Entwicklung sind. Ziel der DMP ist eine verbesserte Versorgung chronisch Kranker durch eine leitliniengestützte, strukturierte und dokumentierte Überwachung des Krankeitsverlaufs. Im Falle der Zuckerkrankheit heißt das für den Patienten, regelmäßig in Behandlung zu bleiben, Schulungstermine (Diätberatung) wahrnehmen, Rat und Anweisung des Hausarztes beachten und - vor allem - selbst aktiv etwas gegen Übergewicht, Bewegungsarmut, Rauchen und Bluthochdruck zu tun. Für den Arzt als „case manager“ heißt das, die in Frage kommenden Diabetiker anzusprechen und zu rekrutieren, und zwar auf freiwilliger Basis.

Das DMP Diabetes richtet sich an die TypII-Diabetiker, die primär mit Diät und Tabletten eingestellt sind. Ein Ärgernis sind leider die DMP-Formulare für die Ersteinstellung. Es müssen in den jeweiligen Rubriken jede Menge Kreuzchen gesetzt werden, die häufig den Arzt-/Patientenkontakt erheblich erschweren. Wird ein Kreuzchen vergessen, so bekommt der Arzt vom auswertenden Institut das Formblatt zur Korrektur zurück. Auch der Patient muss noch einmal unterschreiben. Ärztlicherseits wird jedoch daran gearbeitet, das „Verfahren“ zu vereinfachen, damit der Patient wieder ganz im Mittelpunkt steht und die ärztliche Aufmerksamkeit sich mehr auf den suspekten diabetischen Fuß mit den typischen Sensibilitäts- und Durchblutungsstörungen konzentrieren kann. Ziel des DMP Diabetes ist es letztlich den Zuckerstoffwechsel so zu optimieren, dass die Spätschäden wie Erblindung, Nierenversagen und Amputationen vermieden werden. Ein Boykott der DMP, wie ihn die Krankenkassen anfangs befürchteten, ist trotz des bürokratischen Aufwandes für den Arzt bei bescheidenem Entgeld nicht eingetreten. Das überragende Interesse der Krankenkassen an einer zügigen Umsetzung der DMP ist nachvollziehbar, immerhin gibt es mehrere 100 Euro für jeden eingeschriebenen Patienten aus dem Risikostrukturausgleich (RSA).

Der RSA sorgt dafür, dass defizitäre Kassen nicht Pleite gehen können. Sie bekommen von den „gesunden“ Kassen Ausgleichszahlungen. Trotz dieser Hintergründe und den Anlaufschwierigkeiten sind die Patienten aufgerufen, sich zu beteiligen. Immerhin gibt es in der Versorgung chronisch Kranker noch vieles zu verbessern. Ihr Medicus