Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

12.06.2003

Urin – ein ganz besonderer Saft

Botschaften aus dem Inneren des Körpers


Der Ende der 70-iger Jahre amtierende indische Ministerpräsident Desai trank jeden Morgen ein Glas des eigenen Urins auf seine Gesundheit, was auch Helmut Schmidt damals sehr beeindruckte.

Andere reiben sich mit diesem Exkret ein, damit die Haut schön geschmeidig bleibt.

Auch wird der eigene Urin hier und dort zur milden Desinfektion oberflächlicher Wunden benutzt. Mittlerweile kann man den Harnstoff als eigentliche Wirksubstanz bequemer und hygienischer als Creme in der Apotheke beziehen.

Am Urin ist also etwas dran oder, besser gesagt , im Urin ist etwas drin, was ihn ähnlich dem Blut zu einem besonderen Saft macht. Ist er hellgelb, so bedeutet das eine genügende Flüssigkeitsaufnahme mit guter Durchspülung der Nieren. Dunkler Harn spricht für das Gegenteil. Ist er colafarben, so kann ein Gallenwegsverschluss, eine Lebererkrankung oder der Zerfall von roten Blutkörperchen (Hämolyse) dahinter stecken.

Eine schnelle Übersicht liefert der sogenannte Urin-Streifentest. Dieser zeigt bis zu 10 verschiedene Parameter(Meßgrößen) an wie pH-Wert, Protein, Glukose, rote und weiße Blutkörperchen (Erys u. Leukos), Nitrit, Ketone und Urobilinogen.

Ist der Urin sehr sauer(pH8), so muss an eine bakterielle Infektion, aber auch an eine vegetarische Kost gedacht werden.

Zucker im Harn spricht für einen Diabetes mellitus, da die Nierenschwelle für die Blutglukose bei 180 mg% überschritten wird. Rote Blutkörperchen können Ausdruck einer Blasenentzündung, aber auch eines Nierenschadens oder Tumors sein.

Eine schnelle Übersicht liefert der Streifentest

Genaueres sagt uns die Untersuchung des Harnsedimentes unter dem Mikroskop. Bakterien und Leukozyten (weiße Blutkörperchen) sprechen für einen bakteriellen Infekt, der meistens mit schmerzhaftem Wasserlassen verbunden ist.

Harnsteine, die ins Rollen gekommen sind, zeigen unterm Mikroskop typische Kristallformen. Bei den häufigen Calciumoxalatsteinen (70%) ist es die Form eines Briefumschlages, bei Harnsäuresteinen (10-15%) ist es ein Rhombus. Bei Schädigung der Harnkanälchen und Kapillarknäuel in den Nieren zeigen die roten Blutkörperchen unterm Mikroskop eine typische Stechapfelform (Akanthozytose).

Eine permanente und starke Eiweißausscheidung von mehr als 2g/Tag im Sammelurin weist ebenfalls auf eine Schädigung der Harnkanälchen oder Kapillarknäuel in der Niere hin. Es finden sich unterm Mikroskop dann wachsförmige Zylinder mit Einschlüssen von Blutzellen. Die Erkrankten leiden an vermehrten Wassereinlagerungen(Oedemen).

Diese kleine Urinkunde kann nur ansatzweise darüber informieren, dass nicht nur das Blut ein ganz besonderer Saft ist, sondern auch der vermeintlich unscheinbare Urin, und das alles ganz ohne Pieksen. Denken Sie also bei ihrem nächsten Gesundheitscheck daran, auch das Urintöpfchen abzugeben!

Ihr Medicus