Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

07.05.2004

Überflüssig oder sinnvoll?

Tumormarker: Was bringt der PSA-Wert?


Die von den Krankenkassen angebotene Krebsvorsorge für den Mann ab 45. Lebensjahr umfasst die Austestung des Enddarms und der Prostata (Vorsteherdrüse). Der Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Haemoccult) zu Lasten der Kasse folgt vom 50. bis 55 Lebensjahr in jährlichen Abständen, danach alle zwei Jahre, sofern eine komplette Dickdarmspiegelung (Coloskopie) als sicherste Vorbeugemaßnahme für Darmkrebs die Testbriefchen nicht überflüssig macht.

Die Prostata lässt sich gut tasten. Normalerweise ist sie kastaniengroß, glatt, prall-elastisch und hat in der Mitte eine kleine Furche, die die Seitenlappen trennt. Ist sie insgesamt oder teilweise verhärtet, gar höckrig, so heißt es aufgepasst! Die Bestimmung des Tumormarkers PSA, was im Klartext Prostata-spezifisches-Antigen bedeutet, ist dann erforderlich. Die Kosten werden im Verdachtsfall auch von der Kasse übernommen.

Soweit, so gut! Strittig ist, ob ein PSA-Screening als Routineuntersuchung im Rahmen der Krebsvorsorge Sinn macht und von den Kassen zu tragen ist. Denn auch ein erhöhter PSA gibt noch keine sichere Auskunft darüber, ob es sich um einen aggressiven oder „schlafenden“ Krebs handelt.

Zwei von drei Männern mit erhöhtem PSA haben laut Statistik keinen Prostatakrebs. Die Betroffenen werden nur unnötigen Ängsten und einer strapaziösen Folgediagnostik ausgesetzt. Die meisten sterben mit „ihrem“ Karzinom, nicht an ihm. Hinzu kommt, dass auch bei normalem PSA bis 4,0 ng/ml ein Krebs möglich ist. Wie der Nutzen eines Screening-Verfahrens überschätzt werden kann, zeigt sich eindrucksvoll am Beispiel der Früherkennung des Neuroblastoms, eines bösartigen Netzhauttumors im Kleinkindesalter.

Zwar führte die routinemäßige Bestimmung des Tumormarkers zu einer Steigerung der Zahl entdeckter Fälle, keineswegs jedoch zu einer Senkung der Sterblichkeit, auf die es letztendlich ankommt. Unter Kosten-Nutzen Aspekten ist sie damit als Routinemethode ungeeignet. Analog dazu wurde das PSA-Screening vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen bisher nicht in das Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen. Nur bei Verdacht auf Prostatakrebs und in der Verlaufskontrolle eines Karzinoms zahlt die Kasse.

Einen Ausgangswert auf eigene Kosten sollte sich dennoch jeder Mann über 50 Jahre gönnen, da ein rapider Anstieg in den Folgejahren zusammen mit einem auffälligen Tastbefund die Entwicklung eines Prostatakarzinoms frühzeitig, günstigstenfalls auch rechtzeitig, anzeigt und über eine Gewebsprobe zur sicheren Diagnose führt. Immerhin übertrifft das Prostatakarzinom mit 11500 Toten jährlich deutlich die Anzahl der Opfer im Straßenverkehr und ist beim Mann der Tumor mit der höchsten Sterblichkeit.

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