Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

03.04.2003

Tipps für Triefnasen

Allergische Rhinitis tritt immer häufiger auf


Wenn die Grippewelle mehr oder minder glimpflich überstanden, läuft die Nase schon wieder. Obendrein jucken die Augen, es kratzt im Hals, und man/frau muss allzu oft nahezu explosionsartig niesen. Dann lässt der Heuschnupfen grüßen, in der Fachsprache auch allergische Rhinitis genannt. Bis zu 20 Prozent der Bevölkerung leiden daran, Tendenz steigend.

Wir unterscheiden die saisonale Rhinitis von der ganzjährigen oder auch perennialen Rhinitis. Erstere ist der typische Heuschnupfen (Pollinosis) auf Baum-, Gräser-, Getreide- und Kräuterpollen, der bei warmer Witterung schon mit den Frühblühern wie Birke, Erle und Hasel Ende Februar beginnen kann. Für die Diagnose entscheidend ist also der Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden.

Zur Sicherung der Diagnose wird häufig noch ein Prick-Test durchgeführt, bei dem durch Auftragen verschiedener Allergenlösungen auf die Haut eine allergische Reaktion ausgelöst wird, die von einer kleinen Rötung bis zur Quaddel reichen kann. Auch ein nasaler Provokationstest mit Auftragen des Allergens in die Nasenhöhle kann durch Messung des Atemwegswiderstandes im positiven Fall beweisend sein.

Bei der ganzjährigen Rhinitis sind die Hauptübeltäter Allergene von Hausstaubmilbe, Schimmelpilzen und den allseits beliebten Haustieren. Therapeutisch vordringlich ist hier die so genannte Allergenkarenz bzw. die Eliminierung allergener Reizfaktoren.

_ Bei der Milbenallergie sollten Polster, Matratzen oder Teppiche, also alle Staubfänger gereinigt bzw. mit milbenfeindlichen Bezügen versehen werden.

_ Bei der Allergie gegen Tierepithelien hilft eigentlich nur die Abschaffung des kleines Freundes, was häufig, vor allem bei Kindern, nicht durchzusetzen ist. Eine Hyposensibilisierungstherapie ist wenig erfolgversprechend. Es bleibt dann nur die symptomatische Therapie.

_ Gegen Schimmelpilze hilft nur die Beseitigung der Feuchtigkeitsquelle und eine gute Durchlüftung der Wohnung.

_ Beim typischen Heuschnupfen ist das Schließen der Fenster und generell die Vermeidung einer Allergenexposition wirksam. Aber wer hockt schon gerne in der schönsten Jahreszeit bei geschlossenen Fenstern in der eigenen Wohnung oder zieht sich auf die pollenarme einzige deutsche Hochseeinsel Helgoland zurück?

Medikamentös gut wirksam sind lokal applizierbare Nasensprays und Augentropfen wie Vividrin (DNCG) oder Livocab. Die Substanzen vermindern oder verhindern die Ausschüttung von Histamin aus den Schleimhautzellen und damit Triefnase und Augenjucken. Gut wirksam sind auch nicht müde machende Antihistaminika in Tablettenform wie Levocetirizin (Xusal) und Desloratidin (Aerius).

Hilft alles nichts, so kann durchaus die intramuskuläre Injektion eines Depot-Kortisonpräparates sinnvoll sein, insbesondere, wenn in der Pollenflugzeit nicht nur die Nase fließt und die Augen jucken, sondern die Bronchien giemen, pfeiffen und brummen, wie es für das Asthma bronchiale typisch ist.

Bei Kindern und jüngeren Erwachsenen sollte immer eine langfristige und kausale Therapie mittels Hyposensibilisierug angestrebt werden. Dabei werden vor Beginn der Blütezeit Allergenextrakte in steigender Dosierung in ein- bis zwei-wöchigen Abständen unter die Haut gespritzt, die zur Bildung blockierender Antikörper führen. Die Behandlung ist in drei aufeinanderfolgen Jahren durchzuführen. Gegenanzeigen sind unerwünschte Begleitreaktionen von lokaler Reizung bis zum allergischen Schock, aber auch chronisches Asthma und Immunschwäche des Patienten.

Auskunft über den aktuellen Pollenflug können Sie der NW unter der Rubrik Wettervorhersage entnehmen. Für den 1. April wurde hier mäßiger bis starker Pollenflug von Eibe, Pappel und Weide angekündigt! Die davon Heimgesuchten sollten schon einmal Prophylaxe betreiben, ein Antihistaminicum einwerfen und sich körperlich nicht verausgaben.

Ihr Medicus