Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

15.03.2002

Störungen ohne fassbare Ursache

Probleme mit Reizmagen und -darm


So wie einst der wackere Odysseus sein Schiff zwischen den gefährlichen Felsen Skylla und Charybdis hindurchsteuerte, laviert der Arzt vielfach zwischen einem objektiven Befund und dem subjektiven Befinden des Patienten. Wenn Befund und Befinden stark differieren, bekommt das „Schiff“ , in diesem Fall die Arzt-Patienten-Beziehung, häufig Schlagseite und kann an einem der Felsen zerschellen.

Dieses ist immer dann der Fall, wenn der Befund nach intensiver Diagnostik die vorgebrachten Beschwerden nicht plausibel erklärt. Ein schönes Beispiel dafür ist der Blähbauch mit ständigem Druck- und Völlegefühl, insbesondere nach den Mahlzeiten.

Blähfrau/-mann haben schon so manchen „Schlauch“ (Gastroskop) geschluckt, und auch der Dickdarm ist schon hoch und runter ohne Befund gespiegelt worden. Ultraschall und Labor schließen ein Leberleiden, Gallensteine und Bauchspeicheldrüsenentzündung aus. Arzt wie Patient stehen vor einem Rätsel. Dann spricht man von funktionellen Magen-/Darmbeschwerden, auch als funktionelle Dyspepsie bezeichnet.

Während beim Reizmagen Schmerzen (Ulcustyp) oder Druck- und Völlegefühl sowie nicht-saures Aufstoßen (Motilitätstyp) vorherrschen, sind für den Reizdarm der Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung mit krampfartigen Schmerzen typisch.

Feucht-warme Leibwickel tun daher gut, wie schon dem beinahe ertrunkenen Schneider Meck in Max und Moritz: „Hoch ist da Frau Böck zu preisen, denn ein heißes Bügeleisen auf den kalten Leib gebracht, hat es wieder gut gemacht“. Medikamentös sind beim Reizdarm krampflösende Medikamente wie Buscopan und Duspatal hilfreich.

Beim Reizmagen vom Ulcustyp helfen Säurehemmer, beim Dysmotilitätstyp (typischer Blähbauch) funktionsverbessernde Arzneien wie z.B. Paspertin oder Motilium. Bei einem kleineren Teil der Reizmagenpatienten kann auch der Problemkeim im Magen – Helicobacter pylori – die Ursache sein. Dieser wird durch eine einwöchige Tripel-Therapie (ein Säurehemmer und zwei Antibiotika) erfolgreich ausgerottet.

Die Diagnose „funktionelle Dyspepsie“ steht immer erst am Ende einer umfangreichen Diagnostik, um lebensbedrohliche Erkrankungen, wie Magen- oder Darmgeschwüre und vor allem bösartige Erkrankungen, nicht zu übersehen und die Ängste der Patient(inn)en zu entkräften. Obwohl Reizmagen und Reizdarm auf Grund einer konstitutionellen Veranlagung zur häufigen Wiederkehr neigen, bleibt ein Trost: Es handelt sich um eine funktionelle Störung, und die Lebenserwartung ist nicht eingeschränkt.

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