Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

06.12.2001

Stimmungstief am Gabentisch

Wege aus der Winterdepression


Geht es Ihnen manchmal nicht auch so, dass Sie „Null Bock“ haben, freud- und lustlos sind, Ihnen alles zuviel wird, Sie sich am liebsten verkriechen möchten und die tägliche Arbeit zur Qual wird?

Nun denn, das kann schon einmal vorkommen.

Die Hektik unserer Zeit fordert ihren Tribut. Gerade in der Weihnachtszeit, die mit soviel Erwartungen verbunden ist, denen dann nicht selten herbe Enttäuschungen folgen.

Wenn dieses Gefühl aber ohne triftigen Grund länger anhält, dann liegt der Verdacht auf eine Depression nahe.

Gerade die Zeit der kürzer werdenden Tage, des Schmuddelwetters, des alltäglichen Grau in Grau, provoziert den depressiven Schub, der in dieser Jahreszeit auch als Winterdepression bezeichnet wird. Bis zu ein Drittel aller Menschen leiden irgendwann in ihrem Leben darunter, viele wissen es nur nicht oder verdrängen.

Ursache ist eine biochemische Störung im Gehirn. Gewisse Überträgerstoffe (Transmitter) wie Serotonin und Noradrenalin sind vermindert. Ihre Konzentration im so genannten synaptischen Spalt, der Kontaktstelle zwischen Nervenzellen, kann durch Antidepressiva erhöht werden, wodurch die Depression abklingt. In leichteren Fällen führt auch Johanniskraut zur Besserung.

Bei der typischen Winterdepression hilft eine ganz simple Lichttherapie, die täglich über zwei bis vier Stunden mit einer starken Lichtquelle durchgeführt wird.

Hartnäckige und schwer verlaufende Depressionen erfordern immer eine begleitende Psychotherapie, insbesondere bei Selbsttötungsgefahr.

Wichtig ist vor allem, sich nicht zu verstecken und die Probleme den Angehörigen und dem Hausarzt ehrlich zu schildern, um nicht dauerhaft schwermütig zu werden und nur noch „schwarz“ zu sehen, oder, wie es Erich Kästner so schön in einem Vers zum Ausdruck gebracht hat:

„Welch ein Verhängnis! Von der Empfängnis bis zum Leichenbegängnis nichts als Bedrängnis!“

Ihr Medicus