Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

21.02.2002

Stiefkind Krebsvorsorge

Nicht immer sind es Hämorrhoiden, die bluten


Während die Kenntnisse von Prävention und Frühzeichen bei Herzinfarkt und Schlaganfall durch alljährliche Aufklärungskampagnen eine weite Verbreitung in der Bevölkerung erfahren haben, liegt die Krebsvorsorge immer noch im Argen.

Insbesondere das männliche Geschlecht ist betroffen. Nur ca. 15 Prozent der männlichen Bevölkerung nehmen die von den Krankenkassen ab dem 40. Lebensjahr angebotene, unentgeldliche Krebsvorsorge in Anspruch.

Diese umfasst die Austastung des Enddarmes mit dem Finger, wobei auch die Vorsteherdrüse (Prostata) auf krebsige Veränderungen abgefühlt wird. Außerdem erfolgt ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl mittels drei Testbriefchen, die dem Patienten mitgegeben werden.

Bei regelmäßiger, das heißt, jährlicher Einhaltung dieser simplen Untersuchung wäre die Sterblichkeit am so genannten kolo-rektalen Karzinom(KRK), wie das Dickdarmkarzinom in der Fachsprache heißt, um etwa ein Drittel zu senken.

Das Koloncarcinom steht beim Mann mittlerweile an dritter Stelle der Häufigkeit nach Prostata und Lunge. Bei der Frau sogar an zweiter Stelle – nach dem Brustkrebs. Die Angst vor letzterem führt viele Frauen häufiger zur Krebsvorsorge bei ihrem Gynäkologen, der dann gleichzeitig die Vorsorge auf Darmkrebs durchführt.

Jeder positive Befund auf verstecktes Blut im Stuhl erfordert eine endoskopische Abklärung (Spiegelung) der vermeintlichen Blutungsquelle.

Durch flexible Endoskope ist es problemlos möglich, zumindest die letzten 30 Zentimeter des Dickdarms darzustellen. Etwa zwei Drittel aller Carcinome siedeln auf dieser Endstrecke, nur ein Drittel in den oberen Abschnitten.

Die Entwicklung zum Dickdarmkrebs läuft über kleine Wucherungen auf der Schleimhaut, die als Polypen bezeichnet werden. Ab einer Größe von zwei Zentimetern beginnen diese zu bluten und zu entarten.

Eine frühzeitige Entfernung mittels Schlinge kann beides verhindern. Eine Frühdiagnose ist daher lebensrettend.

Die Beschwerden des Dickdarmcarcinoms beginnen oft schleichend unter dem Bild einer Verstopfung oder dem Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall. Nicht immer sind makro- oder mikroskopische Blutbeimengungen im Stuhl festzustellen.

Enddarmkarzinome verursachen häufig schmerzhaften Stuhldrang mit Abgang von Blut oder Schleim.

Auch so genannte Bleistiftstühle sowie unwillkürlicher Stuhl- und Windabgang sind Warnzeichen und bedürfen der endoskopischen Abklärung.

Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (z.B.Colitis ulcerosa) sowie einer familiär bedingten gehäuften Polypenbildung (Polyposis) haben ein erhöhtes Entartungsrisiko und sollten regelmäßig kontrolliert werden.

Nachdem auf dem Gebiet der Prävention von Herzinfarkt und Schlaganfall so viel geschehen ist, sollte auch die Krebsvorsorge mit der gleichen Konsequenz in Angriff genommen werden. Das gilt insbesondere für das so genannte starke Geschlecht.

Die Krankenkassen bieten eine jährliche Krebsvorsorge ab dem 40. Lebensjahr an.

Nutzen Sie die Chance der Prävention und melden Sie sich gleich an bei Ihrem Hausarzt oder Gynäkologen!

Ihr Medicus