Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

25.02.2005

Sport gegen Depressionen

Wie Winston Churchill hätte geholfen werden können


Der britische Kriegspremier, Sir Winston Churchill, dessen Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede vor dem Unterhaus ganz zu Beginn des Krieges (1940),schon den Untergang des Nazi-Regimes einläutete, war nicht nur ein fähiger Politiker, sondern auch ein begnadeter Literat und Aphoristiker, der für seine Memoiren sogar den Nobelpreis bekam. Viel bekannter sind seine legendären, launischen, teilweise auch zynischen Aussprüche. So antwortete er auf die Frage eines Journalisten nach den Gründen seiner Vitalität und Langlebigkeit: „Whisky, cigars und no sports!“

Zumindest „no sports“ ist glaubhaft überliefert! Damit vertrat er aber eine Meinung, die sich im Zeitalter von „fit and fun“ kaum mehr halten lässt. Gerade in der dunklen Jahreszeit entfaltet regelmäßiges Ausdauertraining eine positive Wirkung auf Körper und Seele. Letztere befindet sich oft in einem depressiven Stimmungstief, das durch Jogging, Radfahren, Nordic Walking und Schwimmen – um nur einige Sportarten zu nennen – vertrieben werden kann.

Ursache ist die vermehrte Ausschüttung hormoneller Substanzen wie Katecholamine und opiatähnlicher Endorphine, so genannter Glückshormone, die stimmungsaufhellend und stressabbauend wirken. Hinzu kommt das Wir-Gefühl in der Gruppe, das die individuelle Leistung verstärkt und Rückzugstendenzen verhindert.

Sportliche Aktivitäten bedürfen im Falle starker Depressionen medikamentöser Unterstützung, keinesfalls sollte nur auf eine Karte gesetzt werden. In punkto Rückfallrate schnitt Sport pur gemäß einer Berliner Studie besser ab als die Einnahme eines Antidepressivums. Nur acht Prozent der Sport Treibenden erlitten innerhalb von sechs Monaten einen erneuten Depressionsschub gegenüber 38 Prozent der Medikamentengruppe.

Wahrscheinlich ist die Erfahrung, selbst etwas bewirkt zu haben, der Hauptgrund für den Erfolg. Vielleicht hätten diese überzeugenden Ergebnisse schließlich auch Sir Winston zum Sport animiert. Der britische Staatsmann litt nämlich bei ansonsten robuster Gesundheit an Depressionen. . .

Ihr Medicus