Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

13.07.2005

Sommerzeit ist Zeckenzeit

Auch bei vermeintlichen „Bagatellen“ zum Arzt


Zecken haben zurzeit Hochsaison. Kaum ein Tag vergeht ohne Zeckenbissgeschädigte im Wartezimmer. Die meisten haben schon mit „Hausmitteln“ an ihnen herum laboriert. Dabei kommt es gewöhnlich zur Quetschung des Zeckenhinterleibes mit verstärktem Übertritt von Krankheitserregern in den Wirt. Wichtig ist es daher, die Zecke frühzeitig aufzuspüren, bevor sie sich voll gesogen hat, und sie dann mit einer speziellen Fasszange, besser noch mit einer neuerdings erhältlichen Zeckenschlinge (Trix) kopfnah zu erfassen und herauszudrehen. Ob im oder gegen den Uhrzeigersinn ist hierbei nebensächlich, da die Widerhaken am Saugrüssel symmetrisch angeordnet sind. Anschließend sollte die betroffene Stelle desinfiziert und gegebenenfalls der Tetanusschutz aufgefrischt werden.

Eine immer wieder gewünschte Impfung gibt es nur gegen die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME). Sie wird durch Viren übertragen. Mit diesen Viren verseuchte Zecken gibt es in unserem Raum nicht. Hauptausbreitungsgebiet sind Süd- und Osteuropa sowie Teile Süddeutschlands. Bislang galt, dass nur jede 1000. Zecke befallen ist, von denen wiederum nur jede 10. die Viren auf den Menschen überträgt. Nach neuesten Erkenntnissen liegt der Durchseuchungsgrad der Zecken bereits bei 1:100. Immerhin erkrankten in den letzten Jahren rund 250 Personen pro Jahr allein in Deutschland an FSME, so dass eine Impfung bei Reisen in Endemiegebiete generell empfohlen wird.

Diese kann auch als so genannte Schnellimpfung noch drei Wochen vor Reiseantritt durchgeführt werden. Viel häufiger ist die Infektion mit Borrelien, gegen die es noch keine Impfung gibt. Die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, verläuft in drei Stadien: 1. lokale Infektion, 2. Generalisierung mit Gelenk-, Muskel- und Nervenentzündung bis hin zur Hirnhautentzündung und Lähmungen (Bannwarth-Syndrom), 3. dauerhafte Gelenkschmerzen (Lyme-Arthritis), Hautveränderungen und neurologische Ausfälle.

Erstes Zeichen einer Borreliose ist die Wanderröte (Erythema chronicum migrans), eine um den Einstich sich kokardenförmig ausbreitende Entzündung, die lokaler Desinfektion und systemischer Antibioticatherapie bedarf. Im Zweifelsfalle sollte frühestens drei Wochen nach Zeckenbiss eine Antikörperbestimmung im Blut durchgeführt werden. Bei einem früheren Zeitpunkt ist der Befund oft noch negativ. Zu erwähnen bleibt noch, dass zwischen Erstinfektion und Spätfolgen(Arthritis, Lähmungen, Hautveränderungen) Monate bis Jahre vergehen können.

Auch verlaufen viele Infektionen unbemerkt. Und so manche unklare Lähmung hat sich schon als Spätfolge einer Borreliose entpuppt. Damit der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), wie er in der Fachsprache heißt, nicht allzu „gemein“ werden kann, ist es ratsam auch bei dieser vermeintlichen Bagatelle auf der Hut zu sein und rechtzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

Ihr Medicus