Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

12.06.2002

Sodbrennen ist nicht immer harmlos

Zunahme: Refluxkrankheit und Speiseröhrenkrebs


Nach einer üppigen, fettreichen Mahlzeit mit reichlich Alkohol ist saures Aufstoßen und Sodbrennen nahezu jedem schon einmal widerfahren. Das ist „total normal“. Immerhin bestraft der liebe Herrgott kleine Sünden sofort ...

Sollten Sie aber unter ständigem, saurem Aufstoßen und Sodbrennen nach Mahlzeiten leiden, so ist Vorsicht angesagt und eine weitere endoskopische Abklärung dringend erforderlich. Die unkritische, pfundweise Einnahme frei verkäuflicher Antazida, wie z.B. Rennie, das entsprechend der Werbung den Magen „aufräumen“ soll, ist nicht nur wenig hilfreich, sondern langfristig gefährlich.

Ursache der Beschwerden ist der krankhaft gesteigerte Rückfluß (Reflux) von saurem Magensaft in die Speiseröhre, wo die aggressive Säure zu Entzündungen, Geschwüren und letztendlich Krebs führen kann. Begünstigend wirkt Übergewicht, das oft zu einem Zwerchfellbruch (Hiatushernie) führt, so dass Teile des Magens sich in den Brustkorb verlagern.

Dadurch ist der Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen, der sogenannte untere Oesophagussphinkter, gestört und lässt die Magensäure nach oben passieren. Folge ist eine Refluxoesophagitis mit Läsionen der Schleimhaut bis hin zu Geschwüren, die einengende Narben (Stenosen) mit Schluckstörungen hinterlassen können. Bei anhaltender Refluxkrankheit mit unbehandelter Speiseröhrenentzündung kann sich ein sogenannter „Barrett-Oesophagus“ entwickeln.

Dabei bildet sich als Schutz gegen die aggressive Säure eine neue Zellschicht in der unteren Speiseröhre, die jedoch die Gefahr bösartiger Veränderungen in sich birgt. Die Gefahr der Krebsentstehung kann in solchen Fällen bis um das 5-fache erhöht sein.

Um bösartige Zellveränderungen auszuschließen, müssen mit dem Endoskop aus den veränderten Bezirken unbedingt Gewebeproben entnommen werden. Eine Endoskopie von Speiseröhre und Magen ist wenig belastend, schnell durchgeführt und schafft Klarheit. Ganz ängstliche Patienten bekommen vorab eine Beruhigungsspritze, in der Regel reicht die Rachenbetäubung.

Finden sich Geschwüre in der unteren Speiseröhre, so können diese mit den seit Jahren bewährten stärksten Säurehemmern, den Protonenpumpenhemmern, wie z.B. Nexium, Pantozol, innerhalb von vier bis acht Wochen bei 90 Prozent zur Abheilung gebracht werden. Der typische Refluxpatient braucht auch nach Abheilung der Geschwüre regelmäßig seinen Säurehemmer. Zwei bis drei Tabletten/Woche sind als Langzeittherapie zur Erreichung der Beschwerdefreiheit häufig ausreichend.

Eine relativ neue Therapie

Wichtige Allgemeinmaßnahmen sind zu beachten: Schlafen mit erhobenem Oberkörper, Gewichtsabnahme, Vermeidung von Säurelockern wie Alkohol, Nikotin, Süßigkeiten, Fruchtsäften sowie maßvoller Genuss von Tee und Kaffee.

Die relativ neue Therapie mit hochwirksamen Protonenpumpenhemmern, die die überschießende Produktion von Magensäure wirksam unterdrücken, hat die früher häufig notwendige Antirefluxplastik, bei der ein Teil des Magens als Verschlussventil manschettenartig um die untere Speiseröhre gelegt wurde, zu einer seltenen Operation werden lassen.

Gehen Sie also bei länger andauerndem Sodbrennen lieber gleich zu ihrem Arzt. Behelfen sie sich nicht mit den nur kurz wirksamen und damit mindestens vier Mal täglich einzunehmenden Antazida, die eine Refluxoesophagitis weder wirksam verhindern noch sicher zur Abheilung bringen können.

Ihr Medicus