Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

18.05.2006

Seite an Seite mit dem Hausarzt

Zur Protestaktion am 19. Mai


Nach der letzten großen Demonstration in Berlin am 24. März, die mit etwa 30.000 Teilnehmern ein großer Erfolg war, haben die Politiker auf ein Erlahmen der Proteste gehofft. Doch weit gefehlt!

Am 19. Mai startet der nächste Protest mit Schwerpunkt in Berlin sowie in Köln und Stuttgart. Diesmal werden auch die Patienten mit ins gesundheitspolitische Boot geholt und können mit ihrem Hausarzt ihren Unmut über eine sich verschlechternde medizinische Versorgung bei weiter steigenden Beiträgen und Selbstbeteiligungen kundtun.

Worum geht es? Im Wesentlichen um drei Dinge: 1.ungerechtes Vergütungssystem, 2. Haftbarmachung der Ärzte für Krankheitsrisiken und Kostenentwicklung aus medizinisch-technischem Fortschritt, 3. Einsparungsmöglichkeiten, wo es am wenigsten weh tut.

Während jeder Bäcker nach der Anzahl der verkauften Brötchen bezahlt wird, also nach Fleiß und Tüchtigkeit, gilt für die Mehrzahl der Ärzte: Ab einer gewissen Anzahl von Leistungen wird faktisch nichts mehr bezahlt gemäß Budget bzw. Punktzahlgrenzvolumen. Der Arzt arbeitet in diesem Fall zwar (hoffentlich) nicht vergebens, dafür aber umsonst, was auf die Dauer demotivierend wirkt, den Schwund im Portmonee fördert, zu Personalentlassungen und Praxispleiten führt.

Die zweite Schlinge um den Hals des Arztes ist die Quasi-Haftung für Krankheitsrisiken und medizinisch-technischen Fortschritt. Hat er viele Schwerkranke oder „Chroniker“(etwa Diabetiker) mit hohem und teurem Medikamentenverbrauch, so übersteigt er schnell die Durchschnittswerte seiner Fachgruppe und wird ab einem bestimmten Prozentsatz mit einem Regress belegt. Das zum 1. Mai dieses Jahres vom Bundestag verabschiedete so genannte AVWG (Arzneimittelverordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz) zwingt den Arzt dazu, nur noch preiswerte Substanzgruppen zu verschreiben, will er sich keinen „Malus“ zuziehen. Andererseits wird er als „Billigheimer“ mit einem Bonus belohnt.

Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten der Einsparung. Wie wäre es beispielsweise mit einem Abbau der ausufernden Bürokratie. Die Verwaltung der mehr als 400 Krankenkassen in Deutschland kostet mehr als die haus- und fachärztliche ambulante Versorgung zusammen. Im Zeitalter der EDV ist das ein Anachronismus. Behördenähnliche Instanzen produzieren Unmengen von Papier, die sanft auf Ärzte wie Patienten herabsegelt und die Patientenversorgung verbessern soll. In Wahrheit werden wir mit den DMP (DiseaseManagementProgram) und anderem Formularkram von der immer wichtigeren zuwendungsorientierten, sprechenden Medizin abgehalten und produzieren Datenmüll für die Nachwelt. Arzt und Patient sitzen im gleichen Boot. Es sollte daher keiner aussteigen, sonst könnte es kentern. Schön wäre es, wenn eingedenk dieser Tatsache, sich die Patienten mit ihren Ärzten solidarisch zeigen und vielleicht der ein oder andere aus Überzeugung Seite an Seite mit seinem Hausarzt am 19. Mai bis zum Gendarmenmarkt mitmarschiert.

Ihr Medicus