Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

22.08.2002

Schlafstörungen immer häufiger

Wer muss ins Schlaflabor?


Jede Nacht das Gleiche, Herr Doktor, stundenlang wälze ich mich im Bett, kann einfach nicht einschlafen, stehe auf, lese oder laufe herum. Tagsüber bin ich dann todmüde.“

Berichte dieser Art hört der Hausarzt fast täglich. Immerhin leiden mehr als 10 Millionen Menschen in Deutschland an Schlafstörungen und 2,7 Millionen betroffene greifen zur Schlaftablette. Auch Alkohol wird als willkommene „Schlafhilfe“ eingesetzt. Gestörter Schlaf ist oft mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen assoziiert, wobei im Einzelfall der gestörte Schlaf Ursache aber auch Folge einer solchen Erkrankung darstellen kann.

Eine medizinische Untersuchung sollte organische Ursachen wie Übergewicht, Herzerkrankungen mit oder ohne Rhythmusstörungen, Bluthochdruck, Depressionen und Schilddrüsenüberfunktionen sowie Atemwegserkrankungen als Ursache ausschließen. Auch Medikamente wie Asthmamittel und antriebssteigernde Antidepressiva können Schlaflosigkeit verursachen.

Vor der Verordnung irgendwelcher Schlafmittel sind dem Patienten drei Fragen zu stellen:

_ Wie sieht die Schlafhygiene aus, d.h. geht der Betroffene mit dem Schlaf falsch um?

_ Liegt eine Störung des zirkadianen Rhythmus('innere Uhr') vor, z.B. durch Schichtdienst ?

_ Werden schlafstörende Substanzen eingenommen wie Alkohol, Kaffee, Medikamente und Drogen?

Werden die drei Fragen mit Ja beantwortet, so können Tipps für den gesunden Schlaf weiterhelfen. Die ältere Dame sollte darüber informiert werden, dass sie nicht grundsätzlich acht Stunden Schlaf benötigt. Mittagsschlaf und frühes zu Bett gehen sowie anregende Medikamente und Koffein nach 16 Uhr sind zu vermeiden.Sportliche Aktivitäten(Ausnahme Sex!), stundenlanges Arbeiten am PC oder anstrengende Bettlektüre sollten vorm Schlafengehen gemieden werden.

Schlaffördernd können Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training und Yoga wirken. Nutzt alles dieses nichts, um in den Schlaf zu kommen, so heißt es ab ins Schlaflabor! Dort wird man/frau mit Elektroden, Kabeln und Drähten versehen und ein bis zwei Nächte lang Herzfrequenz, Atmung, Sauerstoffsättigung, Hirnströme sowie Augen- und Muskelbewegungen gemessen und registriert.

Die häufigste im Schlaflabor gestellte Diagnose ist das so genannte obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, das vor allem in den Altersgruppen zwischen 35 und 70 vorkommt. Typisch ist lautes Schnarchen mit Atempausen die mindestens zehn Sekunden anhalten. Ursache ist eine Erschlaffung der Schlundmuskulatur mit Einengung der Atemwege.

Die langen Atempausen führen zur Abnahme des Sauerstoffgehaltes im Blut

Die langen Atempausen führen zur Abnahme des Sauerstoffgehaltes im Blut mit häufigem Erwachen, vermehrter Tagesmüdigkeit und erhöhter Unfallgefährdung. Gefährliche Herzrhythmusstörungen und Blutdruckkrisen treten gehäuft auf. Die Therapie besteht in der Verordnung eines Masken-Beatmungsgerätes (CPAP), das für einen kontinuierlichen, positiven Atemfluss sorgt. Eine seltenere Diagnose im Schlaflabor ist das so genannte Restless-legs-Syndrom.

Darunter versteht man einen während des Schlafes einsetzenden, unwiderstehlichen Bewegungsdrang der Beine, der zum Aufstehen und Gehen zwingt. Therapeutisch werden Dopaminantagonisten verabreicht (z.B. Restex). Eine weitere, noch seltenere Erkrankung ist die Narkolepsie, die mit unüberwindlichem Schlafzwang tagsüber und plötzlich einsetzendem Tonusverlust der Muskulatur einhergeht. Ursache ist eine erbliche Veranlagung. Therapeutisch empfiehlt sich Verhaltenstherapie.

Ein nicht geringer Teil der meistens älteren Schlafgestörten leidet so erheblich, dass sich die zeitweilige Verordnung eines Schlafmittels nicht vermeiden lässt. Mittlerweile gibt es Hypnotika, die die natürliche Schlafarchitektur kaum beeinflussen und die für die Regeneration des Hirns so wichtigen REM-Phasen (Rapid-Eye-Movement) nicht unterdrücken. Diese REM-Phasen gehen einher mit schnellen Augenbewegungen bei intensiver Hirnaktivität und bringen uns die Träume. Abzuraten ist von langwirksamen Benzodiazepinen (z.B. Flunitrazepam), die über eine Kumulation des Wirkstoffs zu vermehrter Tagesmüdigkeit führen und ein erhebliches Suchtpotential besitzen.

Letztendlich braucht der Mensch über 60 Jahre nicht mehr so viel Schlaf wie ein Junger und sollte sich mit dem schönen Vers von Shakespeare trösten: „Nicht Mandragora noch Mohn noch alle Schlummersäfte der Natur verhelfen je Dir zu dem süssen Schlaf, der gestern Dein noch war“.

Ihr Medicus

Dr. med Petro-Alexander Rarei gibt NW-Lesern Tipps rund um das Thema Gesundheit.