Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

10.09.2005

Rollende Steine: Wann muss Gallenblase raus?

Schlüsselloch-Chirurgie ist auf dem Vormarsch


Als Medizinstudent lernt man, dass bei Patientinnen mit den 5-F Female, Fair, Fertile, Fat and Fourty (weiblich, blond, fruchtbar, dick und über 40) Gallenblasensteine gehäuft auftreten. Diese ruhen oftmals sanft und bereiten der betroffenen Person keinerlei Beschwerden. Die Mehrzahl der Gallensteinträger, ganz überwiegend weiblichen Geschlechts, sterben irgendwann mit und nicht an ihren Gallensteinen. Eine prophylaktische Entfernung zufällig entdeckter, „stummer“ Gallensteine ist demnach so überflüssig wie ein Kropf.

Entfernt werden sollte die Gallenblase aber bei wiederholt auftretenden Beschwerden wie Gallenblasenkoliken oder gar einer beginnendenEntzündung. Die typische Gallenblasenkolik wird durch eine fettreiche Mahlzeit ausgelöst. Die daraus resultierende heftige Kontraktion der Gallenblase führt zur Einklemmung der/des Steine(s) und führt zu den gefürchteten krampfartigen Schmerzen, die von den Frauen als wehenartig beschrieben werden.

Der rechtsseitige Oberbauchschmerz kann in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlen. Ist der Stein bereits in den Hauptgallengang gerutscht, so kommt es infolge Gallenabflussstaus zum Verschlussikterus (Gelbsucht). Tritt die Gelbsucht völlig schmerzfrei auf, so ist immer auch an ein Karzinom der Bauchspeicheldrüse, Gallenblase oder Gallengänge zu denken. Tritt Fieber hinzu, so liegt eine Entzündung der Gallenblase oder -wege vor. Eine Therapie mit Antibiotika ist erforderlich. Bei rechtsseitigen Oberbauchbeschwerden oder Koliken ist die Sonographie das Verfahren der Wahl zum Nachweis von Gallensteinen. Auch eine Entzündung der Gallenblase mit Wandverdickungen und Flüssigkeitssaum kann durch Ultraschall erkannt werden. Bei untypischen Beschwerden sollte immer eine Umgebungsdiagnostik mit Magenspiegelung zwecks Ausschluss von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren erfolgen. Bei symptomatischen Gallenblasensteinen(Cholezystolithiasis) mit typischen Koliken ist die frühzeitige Entfernung der Gallenblase anzustreben, bevor ein Verschluss-Ikterus(„Gelbsucht“) mit oder ohne Entzündung auftreten. Methode der Wahl ist die minimal invasive Therapie, auch als Schlüssellochchirurgie bezeichnet. Der ansonsten notwendige, belastende große Bauchschnitt unterm rechten Rippenbogen wird dadurch vermieden.

Vier kleine Löcher werden durch Trokare (dreikantiges Stilett in eng anliegender Kanüle) in die Bauchwand gebohrt. Die Kanülen verbleiben in der Bauchwand. Eine dient der visuellen Darstellung des Ganzen(Laparoskopie), eine der Aufblähung des Bauches mittels C02 (Pneumoperitoneum), über 2 wird instrumentiert bzw. operiert. Die Beherrschung der vielen Instrumente erfordert vom Arzt viel Erfahrung und Geschicklichkeit. Erfreulicherweise sind diese Operationen in den meisten Krankenhäusern der Akutversorgung bereits Routine.

Bei schwierigen Sichtverhältnissen und Komplikationen muss auf die alte Operationstechnik des großen Bauchschnitts zurückgegriffen werden. Ansonsten hat die Devise „Große Chirurgen machen große Schnitte“ ausgedient.

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