Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

19.11.2003

Praxisgebühr oder Abzocke?

Was im neuen Jahr auf uns zu kommt


Wenn Sie im neuen Jahr Ihren Hausarzt aufsuchen, halten Sie 10 Euro bereit, sonst könnte es passieren, dass Sie nicht behandelt werden! Ausnahmen sind Impfungen, Krebsvorsorge sowie Personen jünger als 18 Jahre. Im akuten Notfall kann das Geld nachgereicht werden.

Auch für den organisierten Notdienst an den Wochenenden gilt die Inkassopflicht des Arztes, wie das Eintreiben von Gebühren bezeichnet wird. Wir Ärzte sind darüber keineswegs erfreut, können aber die politischen Vorgaben des GMG (GKV-Modernisierungs-Gesetz) nicht mehr ändern. Immerhin versprechen sich die Kassen rund vier Millarden Mehreinnahmen ins defizitäre System. Der einzelne Arzt hat aber nichts davon. Die kassierte Gebühr wird ihm vom Einkommen wieder abgezogen.

Bei einem geschätzten Verwaltungsaufwand von ca 2,50 Euro für den Arzt, der aber nicht bezahlt wird, gilt also noch nicht einmal der Satz: außer Spesen nichts gewesen.

Nun, Jammern nutzt nichts! Ärzte wie Patienten müssen da durch! Für die Patienten gilt im Falle der Arztkonsultation, nicht nur 10 Euro zu löhnen, sondern sich auch eine Quittung ausstellen zu lassen, die sie im Falle weiterer Konsultationen im Notfalldienst vor erneuter Gebühr bewahrt.

Besteht die Absicht einen oder mehrere Fachärzte aufzusuchen, so ist eine Überweisung erforderlich.

Zentrale Anlaufstelle sollte daher immer der Hausarzt sein, da er der Lotse im System ist, vieles im Vorfeld schon abklären kann, die Befunde seiner Patienten für das Versorgungsamt, den Rentenversicherer, die Unfallversicherung etc. sammelt.

Die Praxisgebühr, die in unseren Nachbarländern schon längst eingeführt ist, hat insofern auch ihr Gutes. Das beliebte Doctor-Hopping und -Shopping wird zum Erliegen kommen.

Patienten mit niedrigem Einkommen können von der Zuzahlung befreit werden, sollten sich aber noch bis Ende des Jahres von ihrer Krankenkasse eine Bescheinigung ausstellen lassen. Alte Befreiungsbescheinigungen sind nicht mehr gültig!

Was passiert, wenn der Patient partout nicht zahlen will?

Viele Details der neuen Regelung sind übrigens noch Verhandlungsgegenstand zwischen KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) und den Krankenkassen.

Ein für den Kassenarzt nicht unwesentlicher Punkt ist, was passiert, wenn der Patient partout nicht zahlt. Werden dem Arzt dann dennoch 10 Euro abgezogen? Oder wie sieht es mit der Gebühreneinziehung bei nicht persönlicher Leistungserbringung aus, z.B. beim Pillenrezept (EBM-Nr.170)?

Momentan arbeitet die KBV-Spitze erst einmal an einem bundeseinheitlichen Formular einer Gebühren-Quittung für die Praxissoftware.

Denn was tut der geübte Funktionär, wenn im Gesundheitswesen etwas zu regeln ist? Er erfindet ein Formular! Ihr Medicus