Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

03.12.2005

Plädoyer fürs Nickerchen

Wie viel Schlaf braucht der Mensch ?


Wer zu viel schläft, kann nicht gewinnen, wer zu wenig schläft, hält nicht durch.' So sieht es Claudio Stampi, der Papst der modernen Schlafforschung. Dank seines speziellen Schlaftrainings gelang es der 28-jährigen Einhandseglerin Ellen McArthur in 72 Tagen als schnellste Frau den Globus zu umsegeln. Die moderne Amazone nutzte dabei die Technik des von Stampi kreierten Polyphasenschlafs, der aus über den Tag verteilten Nickerchen von 20 bis 30 Minuten Dauer besteht.

Während dieser kurzen Phasen holt sich der Körper den für die Regeneration so wichtigen Tiefschlaf. Die Schottin war mit ihrer Schlafaskese zwar erfolgreich, aber laut Logbuch zuletzt „total am Ende“.

Schlafmangel kann bekanntlich auch tödlich enden wie wir aus dem Straßenverkehr wissen. Die Schlafzeiten werden in den industrialisierten Ländern immer kürzer, da die Arbeitszeiten und die Freizeitaktivitäten, vor allem Fernsehen und Internet, die Menschen von ihrem wohlverdienten Schlaf abhalten.

Wie viel Schlaf ist denn aber notwendig, um gesund und leistungsfähig zu bleiben? Hier gibt es erhebliche individuelle Schwankungen. Napoleon und Churchill waren ausgesprochene Kurzschläfer, die mit vier bis sechs Stunden auskamen, Albert Einstein hingegeben ein genialer Langschläfer, der gerne zehn Stunden und mehr im Bett verbrachte und dabei auch wesentliche Aspekte seiner Relativitätstheorie entdeckte.

Mensch ist nicht dafür geschaffen, mehr als 16 Stunden wach zu bleiben

Der amerikanische Schlafforscher Dinges ließ in einem zweiwöchigen Experiment Versuchspersonen täglich vier, sechs oder acht Stunden schlafen und testete anschließend deren Aufmerksamkeit und geistige Fähigkeiten. Das Ergebnis war eindeutig: Probanten mit nur vier Stunden Schlaf reagierten langsamer und machten dreimal so viele Fehler wie Langschläfer mit acht Stunden Bettruhe, was Albert Einstein Recht gibt. Der Mensch scheint also nicht dafür geschaffen, länger als 16 Stunden täglich wach zu bleiben. Muss er das in Extremsituationen doch, so sind kurze Nickerchen von maximal 20 bis 30 Minuten Dauer anzuraten.

Vom spanischen Maler Salvadore Dali wird berichtet, dass er im Lehnstuhl sitzend, einen Zinnteller neben sich auf den Fußboden stellte, einen Löffel zwischen Daumen und Zeigefinger nahm und sich dann zurücklehnte. Sobald er einnickte, lösten sich die Finger, der Löffel viel auf den Teller und Dali erwachte. Der Maler fühlte sich wieder frisch und voller Schaffensdrang.

Ein wahrlich surrealistischer Erholungsschlaf!

Ihr Medicus