Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

21.11.2008

Nicht jeder Sport ist gesund

Bowling steht ganz oben auf der „Giftliste“ / Auch die Psyche darf nicht zu kurz kommen


Wer gesund bleiben will, soll verflixt noch mal Sport treiben oder zumindest sich ordentlich bewegen, lautet die allgemeine und keineswegs nur ärztliche Empfehlung. Doch was dem Herz-Kreislauf-System nutzt, kann dem Bewegungsapparat oft schaden.

So fanden Forscher jetzt heraus, dass vermeintlich harmloser Freizeitsport oftmals die Ursache chronischer Schmerzen ist. Mal wieder den Tennisschläger geschwungen oder ein paar Runden in super bequemen Laufschuhen gedreht, welcher verantwortungsvolle Arzt wäre hier nicht voll des Lobes für seinen übergewichtigen Patienten, wohl wissend, dass nicht nur der Kreislauf trainiert, sondern auch Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke strapaziert werden.

Drei Mal 20 Minuten pro Woche ist die leichte Anfangsdosis, die zum Beispiel der Sportärztebund Nordrhein für Wiedereinsteiger empfiehlt. Israelische Rehabilitationsspezialisten haben jedoch festgestellt, dass man mit regelmäßiger sportlicher Betätigung auch Langzeitschäden an Muskulatur und Knochen riskiert.

In der israelischen Studie berichteten 62 Prozent der untersuchten 98 Sportler von Schmerzen im Rücken sowie in den Gelenken von Armen und Beinen. Der Schmerz stand dabei in direkter proportionaler Beziehung zur Intensität der sportlichen Aktivität. Insbesondere Sportarten mit asymmetrischer Körperbelastung wie Squash, Tennis und Golf gehören dazu.

Ganz oben auf der „Giftliste“ steht das beliebte und als harmlos angesehene Bowling. Der Körper ist dafür gebaut, um in einer ganz bestimmten Art und Weise bewegt zu werden. Eine extreme Torsion der Körperachse wie beim Tennis oder Golf, um den Ball richtig zu treffen, sei nicht natürlich und für den Körper erheblicher Stress. Laut Studie machen viele Hobbysportler und Amateure den Fehler, sich zu einseitig und hastig auf den Sport zu stürzen. Aufwärmen und Dehnen kommen zu kurz, auch fehlt der psychophysische Ausgleich. Wer eine asymmetrische Sportart, wie zum Beispiel Tennis oder Golf, ausübt, sollte bei der Hausarbeit den anderen Arm belasten.

Auch die Psyche darf nicht zu kurz kommen. Es gibt keinen Grund , sich wegen des Freizeitsports zu stressen. Wenn eine Übungseinheit ausfällt, weil die Familie ruft, dann wird halt einmal der Rasen gemäht oder das Kind gehütet. Belastungen, die keineswegs einseitig oder asymmetrisch sind und dazu noch eine hohe soziale Kompetenz besitzen.

Wer jetzt seine gerade geschnürten Sportschuhe schnellstmöglich wieder an den Nagel hängen möchte, der darf auf zukünftige pharmakologische Unterstützung für ein gesundes Leben als „Couchpotato“ hoffen. Gerade haben Forscher des Howard Hughes Medical Institute zwei Wirkstoffe vorgestellt, deren Einnahme zumindest bei Mäusen die heilsamen Stoffwechseleffekte sportlicher Betätigung imitiert: „Aicar“ und „GW1516“ reprogrammiert Muskelzellen so, dass sie Energie effektiver nutzen und sich ohne Erschöpfung kontrahieren können. Es besteht die Hoffnung, dass diese Substanzen die Muskelaktivität erhöhen, Fettleibigkeit verhindern und auch bei ausgesprochenen Sportmuffeln wirken und zu Glücksgefühlen führen. Und das alles ganz ohne große Anstrengung! Sport wäre dann nicht „Mord“, sondern Balsam für Körper und Seele . . .

Ihr Medicus