Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

23.04.2002

Nicht jeder Nieser ist ein „Genießer“

Heuschnupfen – eine Krankheit ?


Oder sei‘s nach einer Prise, dass der Onkel heftig niese, ruft man: „Prosit!“ alsogleich. - „Danke!“ (sagt der Onkel) - „Wohl bekomm‘ es Euch!“

So steht es schon bei Wilhelm Busch.

Nicht jeder Nieser ist jedoch ein „Genießer“. Gerade in der holden Frühlingszeit ist das Niesen häufig untrügerisches Zeichen für eine Pollenallergie, den Heuschnupfen. Die so genannten Frühblüher wie Erle, Hasel und Birke quälen den Allergiker schon ab Februar mit Augenjucken, Fließschnupfen, Kratzen im Hals und bisweilen allergischem Husten. Es folgen diverse Gräserpollen und ab Mitte Mai die Getreideblüte. Schlimm wird es, wenn zum Heuschnupfen sich das allergische Asthma gesellt.

Der Mediziner spricht dann vom „Etagenwechsel“. Unangenehme Folge ist Luftnot mit dem ebenso typischen wie beängstigenden Giemen, Pfeiffen und Brummen über den Bronchien, das auch der Laie hört.

Ursache sind wie beim Heuschnupfen Allergene, die gewisse Gewebsmastzellen in den Schleimhäuten von Nase, Rachen und Bronchien besetzen und Mediatorstoffe, insbesondere Histamin, freisetzen. Folge ist eine vermehrte Gefäßdurchlässigkeit und Entzündung der Schleimhäute mit den beschriebenen Symptomen, im schlimmsten Fall allergisches Astma bronchiale.

Was ist zu tun? Der aktuelle Pollenflug ist den Medien respektive Tageszeitungen zu entnehmen. Bei Vorkenntnis der Allergie sollte eine Expositionsprophylaxe, soweit möglich, betrieben werden. Will sagen: bei strahlendem Sonnenschein, Wind und Allergie auf Birkenpollen, die zurzeit besonders stark fliegen, möglichst Fenster schließen und keine körperliche Betätigung im Freien. Ratsam ist ferner die Einnahme von Antihistaminika wie Loratidin und Ceterizin, die auch frei verkäuflich sind.

Bei schwer verlaufender saisonaler Pollinosis mit einer Leidenszeit von etwa sechs bis acht Wochen ist durchaus die Injektion eines Depot-Kortikoids zu vertreten, das immerhin zu einer mehrwöchigen, weitgehenden Beschwerdefreiheit ohne wesentliche Nebenwirkungen führt. Bei stärkeren asthmatischen Beschwerden empfiehlt sich ein Dosieraerosol mit bronchialerweiternder Wirkung, ggf. in Kombination mit einem Kortikoid.

Im Zweifelsfall sollte immer eine Austestung der Allergene erfolgen

Beides gibt es schon als Kombinationspräparat, z.B.Viani. Zur Prophylaxe eignet sich das Salz der Cromoglycinsäure (DNCG), das es auch in Form von Augen- und Nasentropfen gibt, z.B.Vividrin. Es muss allerdings vier Mal täglich angewendet werden, um die Mastzellen zu „stabilisieren“ und Fließschnupfen und Augenjucken vorzubeugen. Bei starker Symptomatik ist es wirkungslos. Im Zweifelsfall sollte immer eine Austestung der Allergene durch einen Hauttest erfolgen. Bei jüngeren Patienten kann dann im Falle einer Pollenallergie eine gezielte Hyposensibilisierung in der Vorsaison erfolgreich sein.

Dabei werden in ein- bis zwei-wöchigen Abständen Allergenextrakte in aufsteigender Dosierung unter die Haut gespritzt, wodurch sich blockierende Antikörper bilden, die die Allergene gewissermaßen neutralisieren.

Hyposensibilisierungen müssen in mindestens 3 aufeinanderfolgenden Jahren durchgeführt werden, um erfolgreich zu sein. Ein nicht geringer Teil behält seinen Heuschnupfen lebenslang, wenngleich in abgeschwächter Form.

Sollten Sie in dieser holden Frühlingszeit also an Augenjucken, Fließschnupfen und häufigem Niesen leiden, fragen Sie doch ihren Hausarzt oder Apotheker und lassen sich beraten, damit aus dem vermeintlich harmlosen Heuschnupfen nicht Asthma wird !

Ihr Medicus