Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

22.12.2003

Nicht jede echte Grippe verläuft gefährlich

Doch Impfung während Grippewelle vermeiden


Vielen Ärzten geht vor Weihnachten der Grippe-Impfstoff aus, just dann wenn die Grippewelle erst richtig losgeht. Die Impffleißigen, die sich jedes Jahr brav ihren Grippeschutz abholen, werden jetzt belohnt, die Impffaulen müssen zittern und auf die Stärke ihres Immunsystems vertrauen. Auf jeden Fall zu vermeiden ist das Impfen während laufender Grippewelle, da der Impfschutz sich innerhalb von zwei Wochen erst aufbaut. Daraus erklärt sich auch die häufige Bemerkung: Herr Doktor, nach der Spritze im letzten Jahr hab' ich mir eine ganz besonders schlimme Grippe eingefangen! Grippeschutz, nein danke!

In diesen Fällen war ein Infekt bereits im Anmarsch, bevor genügend Antikörper vorhanden waren. Nun steckt nicht immer gleich ein gefährliches Influenzavirus hinter dem, was man landläufig Grippe nennt. Über 100 verschiedene Viren und Bakterien können Erkältungskrankheiten auslösen. Während die banalen oberen Atemwegsinfekte langsam beginnen und leicht verlaufen, treten die Symptome der Influenza, wie die echte Grippe in der Fachsprache heißt, plötzlich und aus vollem Wohlbefinden auf. Weitere typische Zeichen sind hohes Fieber, zum Teil mit Schüttelfrost und Schweißausbrüchen, Kopf-, Glieder-, Hals- und Muskelschmerzen sowie ein trockener Husten. Das Ganze geht mit einem schweren allgemeinen Krankheitsgefühl einher.

Allein anhand der aufgeführten Symptome läßt sich die Influenza während einer Grippewelle mit einer Sicherheit von 70 bis 80 Prozent diagnostizieren. Über die Medien erfahren gibt es mehr oder minder genaue Hinweise über den Stand der Ausbreitung einer Grippeepidemie. Viel genauer informiert von Oktober bis April das RealFlu-Frühwarnsystem der Firma Roche. Mehr als 250 Arztpraxen sind bundesweit an das Meldenetz angeschlossen, deren Daten in das Internet eingespeist und zentral ausgewertet werden. Der Nachweis einer Influenza erfolgt mit einem hochempfindlichen Antigen-Schnelltest. Laut letztem Report ist die Grippewelle bereits von Frankreich zu uns herübergeschwappt. Nach der Jahreswende wird sie uns dann für mehrere Wochen kräftig „im Griff“ haben. Unter www.grippe-online.de erfahren Sie den jeweils neuesten Stand.

Auch für nicht Geimpfte gibt es mittlerweile Trost und Hilfe. Mit Oseltamivir (Tamiflu) gibt es seit einem Jahr eine einfach zu handhabende kausale Therapie und Prophylaxe gegen Influenza A und B. Der Wirkstoff hemmt spezifisch die Neuraminidase, ein Enzym auf der Virusoberfläche, ohne das die Viren sich nicht verbreiten können. Tamiflu ist in Deutschland zur Influenzabehandlung bei Erwachsenen und Kindern(Suspension) ab 1.Lebensjahr zugelassen. Die Dosierung für die Therapie beträgt 2 mal1 Tablette über 5 Tage, für die Prophylaxe 1 mal 1 Tbl. über mindestens 7 Tage, wie beim Grippeausbruch in Altenheimen und Schulen.

Nicht jede echte Grippe verläuft gefährlich. Bei guter körpereigener Immunabwehr ist vielfach die Hausapotheke mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Mitteln sowie reichlich Flüssigkeitszufuhr und Vitamin C ausreichend. Bei Hochbetagten, Diabetikern, chronisch Lungenkranken und sonstigen abwehrgeschwächten Personen sind schwerwiegende Verläufe mit Komplikationen und Todesfolge nicht selten. Im Zweifelsfall sollte daher immer ein Arzt konsultiert werden.

Wie heißt es so schön bei Eugen Roth: Und dennoch sei doch lieber, der Arzt geholt beim kleinsten Fieber. Denn einmal nur die Angst verlacht, war diesmal sie nicht unbegründet. Hellauf schon brennt, was eben sich entzündet!

Ihr Medicus