Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

22.07.2008

Nicht alles auf eine Karte setzen

Falscher Ehrgeiz schadet auch Hobbysportlern / Optimale Pulsfrequenz kurbelt Fettverbrennung an


Hobbysportler vernachlässigen oft elementarste Grundregeln und gefährden so ihre Gesundheit. Viele eifern ihren großen Vorbildern im Leistungssport nach und überschreiten ihre Leistungsgrenzen. Auch Doping ist unter Amateuren kein Fremdwort mehr. Der erst kürzlich des Epo-Blutdopings überführte Ricco sauste bei der Tour de France mit über 30 km/h bergauf und ließ alle anderen Konkurrenten „alt“ aussehen bis er dann selbst des Gebrauchs unerlaubter Mittel überführt und aus dem Wettbewerb genommen wurde.

So weit, so schlecht und keinesfalls nachahmenswert. Dennoch gilt: Sport ist gesund und zwar für Alt und Jung, wenn er mit Augenmaß und entsprechend der individuellen und altersgemäßen Leistungsfähigkeit betrieben wird. Für alle Spätberufenen, d.h. Personen über 40 Jahre, die regelmäßig Ausdauersport betreiben wollen, ist eine körperliche Untersuchung mit Leistungstest mittels Belastungs-EKG sinnvoll, um die eigene Leistungsfähigkeit abzuchecken. Entscheidend für die maximale Leistungsfähigkeit ist die Herzfrequenz, die 220 minus Lebensalter nicht überschreiten sollte. Für einen 60-Jährigen bedeutet das, den Maximalpuls über längere Zeit nicht über 160/min. ansteigen zu lassen. Als optimale Trainingsfrequenz gelten ca. 85 Prozent davon, also rund 140 Schläge pro Minute.

Noch genauer ist die Bestimmung der so genannten anaeroben Schwelle, die während des Belastungstests aus Fingerbeere oder Ohrläppchen mittels Bluttropfen bestimmt wird. Sie korreliert mit dem Anstieg der Milchsäure (Laktat).

Wie kann man als Hobbysportler Ausfälle und Einbrüche dieser Art vermeiden? Einige Grundregeln sind zu beherzigen: 1. Intensität der Belastung an die äußeren Bedingungen anpassen, kein „hoch um jeden Preis“ bei Schneegestöber wie kürzlich beim Extremberglauf zur Zugspitze, bei dem zwei Menschen wegen Erschöpfung und Kälte umkamen. 2. Rechtzeitige und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. 3. Ausgewogene Basisernährung, vor allem basische, eiweißreiche Kost plus Zufuhr von Vitaminen und Spurenelementen. 4. Nach starken Belastungen Flüssigkeits- und Kaloriendefizite rasch ausgleichen, am besten durch Eiweißriegel und Molkedrinks. Ganz wichtig ist es im Training die optimale Pulsfrequenz einzuhalten, die etwa 85 Prozent der Maximalfrequenz beträgt.

Außerdem wird dabei die Fettverbrennung angekurbelt, die uns hilft überflüssige Pfunde zu „verbrennen“. Es ist also für den Trainingszustand und damit für die Gesundheit förderlicher lieber länger auf niedriger Pulsfrequenz zu walken, radeln oder zu schwimmen, als alles auf eine Karte zu setzen und sich total zu verausgaben, nur um irgendeinen fragwürdigen Rekord zu brechen, der am nächsten Tag - wie bei den Profis - schon null und nichtig sein kann!

Ihr Medicus