Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

29.09.2007

Neues von der Raucherfront

Medikament verspricht Hilfe bei der Entwöhnung


Nun müssen sie endlich auch in Deutschland die verquarzten Räume verlassen und raus vor die Tür wie in Irland, und das spätestens 2008 und ohne Pardon!

Das geschwärzte Raucherherz rutscht quasi in die Hose und der Glimmstengel verglüht auf der Stelle. Zeit, mit dem Rauchen aufzuhören! Denn „nicht alle bösen Zungen lügen, die warnen dich vor Lungenzügen“.

Immerhin ist der Lungenkrebs die häufigste Todesursache beim Mann und -mittlerweile- die dritthäufigste bei der Frau. Damit kann bald Schluss sein. Champix (Vareniciclin) heißt das neue hilfreiche Medikament.

Anders als die Nikotinpflaster und -kaugummis hat es kaum Nebenwirkungen und führt zu einem bislang nicht erreichten langfristigen Entzug. Das Mdikament besetzt den für die Suchtdroge Nikotin vorgesehenen a4-ß2-Rezeptor und hat teils stimulierende (Agonist), teils hemmende Wirkung (Antagonist). Es stimuliert die Dopamin-Ausschüttung, eine Art „Glückshormon“, in ähnlicher Weise wie Nikotin , wenngleich geringer, dafür aber länger. Es bewirkt damit die erwünschte aufputschende Wirkung des Nikotins, den „Kick“.

Gleichzeitig verhindert es die Ankopplung des Nikotins an den Rezeptor und damit dessen Nebenwirkungen wie den Anstieg der Herzfrequenz, Gefäßverengung und Progredienz der Adernverkalkung.

Wichtig ist es bei der Entzugstherapie, mindestens 12 Wochen bei der Stange zu bleiben, wobei es in der ersten Woche leicht gemacht wird: es darf noch geraucht werden.

Erst ab der zweiten Woche wird es richtig ernst! An einem bestimmten Tag ist endgültig Schluss mit der Quarzerei! Der „innere Schweinehund“ hat nun ausgedient, und Abstinenz ist fortan angesagt. Die Sucht nach dem Glimmstängel ist schon nach zwei Wochen nicht mehr so unwiderstehlich. Es wirkt substituierend ohne die bekannten Nebenwirkungen. Ganz wichtig ist es aber, mindestens zwölf Wochen durchzuhalten.

Die Starterpackung ist letztendlich noch billiger ist als der tägliche Konsum einer Packung Zigaretten.

Danach wird die Dosis auf zwei Mal 1,0mg erhöht. Eine Studie zeigt, dass nach 12 Wochen rund die Hälfte der Raucher abstinent bleiben; ein einmaliger Wert gegenüber allen bisher vergleichbaren Substanzen.

Auch meine bisherigen Erfahrungen sind positiv. Alle fest entschlossenen Abstinenzler sind nach zwölf Wochen Einnahme noch nicht rückfällig geworden.

Für eine langfristige Prognose ist es noch zu früh, zumal außer der rein körperlichen Abhängigkeit auch die psychische Komponente von entscheidender Bedeutung ist.

Es gibt Hinweise, dass fast ein Drittel aller Raucher auf Grund ihres „Suchtcharakters“ nie ganz frei kommen von ihrer Sucht - ähnlich, wenngleich nicht in dem Ausmaß, wie die „Junkies“.

Um den psychischen Entzug zu meistern, gibt es sinnvollerweise zur Therapie eine begleitende Verhaltensunterstützung zur effektiven Raucherentwöhnung unter der Überschrift „Life Reward“. Entscheidend bei der Nikotinentwöhnung ist der Einstieg in den Ausstieg.

Dem Hausarzt kommt dabei eine besondere Aufgabe zu. Jeder bronchiale Infekt des Rauchers ist eine gute Gelegenheit, um ihm den Glimmstängel abzugewöhnen. Es sollte nicht erst der Herzinfarkt oder das Raucherbein sein, dass die Alarmglocken klingeln lässt. Denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Schon Goethe warnte vor den „Schmauchlümmeln“, allerdings nicht aus medizinischen Gründen. Er befürchtete, dass der Tabakgenuss dumm macht und das Denken und Dichten und damit die Literatur negativ beeinflusst.

Auch sieht er ganz im heutigen Sinne die erheblichen Belastungen für die Nichtraucher: „Aber es liegt auch im Rauchen eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten die Luft weit und breit und ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu rauchen vermag. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden? Wer kann darin verweilen, ohne umzukommen?“

Bleibt dem noch etwas hinzuzufügen?

Ihr Medicus