Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

27.12.2007

Mittel gegen Demenz

Morbus Alzheimer, der Schrecken des Alter(n)s!


Sie wurde von ihrer Tochter ins Sprechzimmer geführt und lächelte freundlich. Gerade hatte sie ihren „80-igsten“ gefeiert, aber sie konnte sich daran und alles andere, was sich kürzlich ereignet hatte, nicht mehr erinnern.

Auch Tag, Datum und Ort des jetzigen Aufenthaltes waren ihr nicht geläufig. Für sie war ich der Pfarrer. Einfache Rechenaufgaben, Wortwiederholungsteste und das Nachzeichnen einfacher Figuren waren nicht möglich. Die von den Angehörigen befürchtete Diagnose eines „Alzheimer“ konnte ich nur bestätigen.

Viele Zeitgenossen kriegen ihn, den „Alzheimer“, jeder vierte über 80 Jahren hat „ihn“. Typisch für den „Alzheimer“ ist der schleichende Gedächtnisverlust, wobei das Kurzzeitgedächtnis - welche Aufgabe wurde eben gestellt? - schneller nachlässt als das Langzeitgedächtnis. Alte Gedichte können teilweise noch recht gut rekapituliert werden, den Einkaufszettel zu behalten ist unmöglich.

Ursache ist ein allgemeiner Hirnschwund(Atrophie) mit Ablagerungen von krankhaften Eiweißpartikeln(Amyloid). Davon zu unterscheiden sind vaskuläre Demenzen(20 Prozent), bei denen Durchblutungsstörungen mit häufigeren kleinen Schlaganfällen die Ursache sind und Mischformen(20 Prozent).

Eine effektive oder besser „kosteneffektive“ Behandlung demenzieller Symptome ist trotz gegenteiliger Behauptung bislang nicht möglich. Die bisher zur Verfügung stehenden und verschreibbaren Substanzen sind die Cholinesterasehemmer Aricept, Reminyl, Exelon, die bei leichter und mittelschwerer Demenz zugelassen sind.

Sie erhöhen den Spiegel des Botenstoffes Acetylcholin, der für die Hirnfunktion wesentlich ist. Die Lebensqualität soll verbessert und die Aufnahme ins Pflegeheim um einige Monate verzögert werden.

Schön wärs ! Leider gibt es keinen sauberen wissenschaftlichen Beweis dafür. Das Denkvermögen (Cognition) wird lediglich um drei Punkte auf einer Scala von 70 Punkten gesteigert. In England und Wales sind diese Substanzen daher nicht zu Lasten der Krankenkassen verordnungsfähig.

Das dort zuständige Institut(National Institute for Health and Clinical Excellence), kurz NICE, erkennt zwar einen begrenzten Nutzen, hält die Arzneimittel aber nicht für kosteneffektiv, d.h. der Nutzen zum hohen Preis ist gering und-vor allem-nicht von Dauer.

Hinzu kommt, dass für derartige Medikamente, zu denen auch Axura und Ginkobiloba gehören, wesentlich höhere Preise bezahl werden als im Ausland. Deutschland ist das einzige Land weltweit, in dem Ärzte ein Arzneimittel sofort nach der Zulassung zu Lasten des Solidarsystems verordnen können und die Hersteller unkontrolliert und ohne Verhandlungen die Preise ihrer Produkte frei bestimmen können.

In Frankreich kosten 28 Tabletten Aricept 10mg 89,19 Euro, bei uns sind sie um 37,57 Euro teurer laut Prof. Sawitzki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen(IQWIG).

Diese 40 Prozent Mehrkosten könnten durchaus nutzbringend für die Versorgung von Demenzpatienten eingesetzt werden.

Ihr Medicus