Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

29.05.2004

Leben bis zuletzt

Schmerztherapie in der Sterbephase


Bei Kaffee und Kuchen wurde das neue Büro der Hospiz-Initiative in der Rahdener Straße15(Martinshaus, rechter Seitentrakt) vorgestellt. Ab 10 wurde im Stundentakt über ambulante Hospizbegleitungen, die Trauergruppe, Patientenverfügungen und das Einführungsseminar referiert.

Den Abschluss bildete ein Referat über die hausärztliche Schmerztherapie in der Sterbephase. Der Referent hob die Bedeutung einer an Leitlinien ausgerichteten Schmerztherapie nach festem Zeitschema hervor. Eine noch vielfach durchgeführte Therapie „bei Bedarf“ führt bei Tumorpatienten zu einer Schmerzspirale, die über Immobilität, Angst, Depression letztlich zum Zusammenbruch der körperlichen und geistigen Kräfte führt.

Als Richtlinie für eine wirksame Schmerztherapie hat sich das Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation bewährt. 1.Stufe: Nichtopioidanalgetica wie Ibuprofen, Metamizol, Paracetamol und Coxibe. 2. Stufe: schwach wirksame Opioide wie Tramadolol, Tilidin+Naloxon. 3. Stufe Wechsel auf stark wirksame Opioide wie Oxycodon, Hydromorphon, Morphin, Fentanyl, Buprenorphin.

Schon frühzeitig sollte aufgrund der additiven Wirkung Stufe 1+2 bzw. 1+3 kombiniert werden. Die insbesondere in der Anfangsphase auftretenden Nebenwirkungen der Opiate wie Erbrechen und Verstopfung lassen sich durch eine auf Kassenrezept zu verordnende Ko-Medikation vermeiden.

Gegen Erbrechen hilft Metoclopramid, gegen eine oft hartnäckige und schmerzhafte Darmträgheit Lactulose oder Movicol. Beide Substanzen werden nicht resorbiert und führen über ihre Wasserbindungsfähigkeit zu geschmeidigem Stuhlgang.

Auch dem vielfach vorhandenen Vorurteil einer Suchtentwicklung trat der Referent mit dem Beispiel des Diabetikers entgegen. Letzterer ist physisch abhängig vom Insulin wie der Schmerzpatient vom Opiat, das im Gegensatz zum „Junkie“ bei ihm keine euphorisierende Bewußtseinserweiterung, den berühmten „Kick“, auslöst.

Im Vordergrund jeder Schmerztherapie in der Sterbephase steht die Lebensqualität, getreu dem Motto der Hospizbwegung: „Leben bis zuletzt“. Oder wie es Rainer Maria Rilke so schön ausdrückte: Oh, Herr, gib jedem seinen eigenen Tod, das Sterben, das aus jenem Leben ging, darin er Liebe hatte, Sinn und Not.Ihr Medicus