Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

31.10.2003

Kampf dem plötzlichen Herztod

Anmerkungen zur „Herzwoche“


In meinen letzten drei Artikeln habe ich über Entstehung, Ursachen und Verlauf verschiedener Krebsarten berichtet. Immerhin stirbt jeder Vierte daran. Krebs ist damit die zweithäufigste Todesursache hierzulande, übertroffen nur vom Killer Nr.1, dem Herztod.

Beide Erkrankungen haben etwas mit unserer Lebens- und Ernährungsweise zu tun. Für die koronare Herzkrankheit als Vorstadium des Infarktes sind als Risikofaktoren nicht nur zu hohes Cholesterin, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit zu nennen, sondern auch das inhalative Zigarettenrauchen, das für etwa 30 Prozent aller Krebsarten verantwortlich ist.

Die Deutsche Herzstiftung als Initiatorin der Herzwoche hat daher die Bundesregierung aufgefordert, öffentlich zugängliche Zigarettenautomaten zu entfernen, um Kinder und Jugendliche vor dem Einstieg in eine fatale Raucherkarriere zu schützen.Mal sehen, was geschieht. Mit der Erhöhung der Tabaksteuer allein ist es nicht getan: Der Zugang zur Droge muss erschwert werden!

Die enormen und durch Überalterung der Bevölkerung noch ansteigenden kurativen Kosten können durch eine ebenso sinnvolle wie preisgünstige Prävention deutlich gemindert werden. Bis dahin werden jährlich etwa 280.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt erleiden, von denen die Hälfte in den ersten Tagen verstirbt. Nur etwa ein Drittel der Patienten, die an dem Ereignis versterben, hat zuvor die Klinik erreicht. Die Mehrzahl stirbt „ante portas“, also daheim oder unterwegs.

Jede Minute zählt! Denn die Ursache des plötzlichen Herztodes sind vielfach tödliche Herzrhythmusstörungen, vor allem das Kammerflimmern. Statt 60 bis 80 Mal pro Minute schlägt oder besser zuckt das Herz völlig unkoordiniert mehr als 300 Mal pro Minute. Eine nennenswerte Pumpfunktion besteht nicht mehr, die Versorgung des Herzmuskels und anderer lebenswichtiger Organe kommt zum Erliegen.

Der Mensch stirbt – es sei denn, jemand leistet schnell und entschlossen erste Hilfe mit Atemspende und Herzmassage, bis der Notarzt mit dem Defibrillator eintrifft und per Elektroschock im Idealfall einen regulären Herzrhythmus wiederherstellt.

Wichtig ist es daher, möglichst früh die ersten Warnzeichen des auslösenden Herzinfarktes zu erkennen. Dazu gehören schwere, länger als fünf Minuten Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals und Bauch ausstrahlen können. Aber auch Luftnot, Übelkeit und kalter Schweiß und Schwäche (auch ohne Schmerz) können Infarktzeichen sein, insbesondere bei Zuckerkranken. Die schnellstmögliche Hospitalisierung per Notarztwagen ist dann zu veranlassen.

Nur so können die gefährlichen Rhythmusstörungen beherrscht und gegebenenfalls Lyse und Ballondilatation die Ausbreitung des Infarktes verhindern. Zeit ist Leben, lautet die Devise.

In Ballungräumen wie Ludwigshafen liegt die so genannte Prähospitalzeit, das heißt, die Zeit vom Auftreten der ersten Symptome bis zum Erreichen des Krankenhauses, bei etwa 36 Minuten. Der Patient hat alle Chancen, dass nur wenig Herzmuskel zerstört wird, und die Pumpleistung des Herzens erhalten bleibt.

Die Veranstaltungen der Herzwoche werden darauf und auf eine Vielzahl anderer Themen eingehen, unter anderem Infarktprophylaxe mit Omega-3-Fettsäuren, verbesserte Stents, Behandlung gefährlicher Herzrhythmusstörungen mittels implantierbarem Defibrillator (ICD). Nach der Veranstaltung können Fragen an den Referenten gestellt werden. Veranstaltungsorte und -zeiten sind der Tagespresse zu entnehmen.

Nehmen Sie teil – Ihrem Herzen zu Liebe!

Ihr Medicus