Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

22.12.2004

Kälte ist nicht gut für das Herz

Prävention durch vorsichtige Anpassung


Den Ärzten ist es schon seit langem bekannt, was der Laie nur dunkel ahnt: im Winter steigt die Sterblichkeit drastisch an. Zum Einen sind es die Erkältungskrankheiten, insbesondere Grippeepidemien, die vorgeschädigte und immungeschwächte Personen hinwegraffen. Dank frühzeitiger und effizienter Antibioticatherapie und der vorbeugenden Grippeimpfung – ich hoffe Sie hatten schon eine – spielen sie mittlerweile eine untergeordnete Rolle.

Die überwiegende Zahl der zusätzlichen Todesfälle, auch als Übersterblichkeit bezeichnet, ist auf Koronarthrombosen, sprich Herzinfarkt, zurückzuführen. Bereits zwei Tage nach einem Kälteeinbruch steigt die Sterblichkeit an. Dabei ist der Anstieg der Sterblichkeit pro Grad Temperaturabnahme weitgehend linear. Dabei ist die absolute Zunahme der Todesfälle pro Grad Celsius – ausgehend von 18 °C – paradoxerweise in Ländern mit milden Wintern größer als in den kalten Regionen.

Die wenigsten Todesfälle im Winter im kalten Finnland

Die meisten Todesfälle ereignen sich laut „Eurowinter“-Studie in Athen und London, die wenigsten im kalten Finnland. Nasskalt ist also weniger angenehm und gefährlicher als trockene Kälte, die wir subjektiv auch viel besser tolerieren.

Ursache für die erhöhte Sterblichkeit bei Kaltwetterfronten ist die Stimulation der Kälterezeptoren in der Haut mit vermehrter Ausschüttung von Noradrenalin und Adrenalin. Das wiederum führt zur Gefäßverengung mit Blutdruck- und Frequenzanstieg und zur Steigerung der Herzarbeit. Der erhöhte Sauerstoffbedarf kann bei hochgradig verengten Herzkranzgefäßen eine Angina pectoris oder gar einen Herzinfarkt auslösen.

Kälte führt auch zum Anstieg des Fibrinogens, das die Blutgerinnung und damit die Entstehung eines Herzinfarkts fördert. Bei Hochbetagten, also über 70-Jährigen, ist die Thermoregulation verringert. Sie sind Kältereizen ungeschützt ausgesetzt. Um so wichtiger ist es für sie Prävention zu betreiben. Hierzu gehören ausreichendes Heizen der : Wohnräume (mehr als 18 Grad), warme Kleidung (Mütze, Winterjacke, Handschuhe), bei sehr kalten Temperaturen den Aufenthalt und insbesondere körperliche Betätigung im Freien meiden.

Regelmäßiger Saunabesuch eine sinnvolle Vorbeugung

Präventiv sinnvoll kann eine vorsichtige Anpassung an Kältereize sein, beispielsweise in Form regelmäßiger Frischluftexposition an weniger kalten Tagen oder regelmäßiges Saunieren.

Alle KHK-Patienten, also diejenigen mit abgelaufenem Herzinfarkt, bekannter Herzkranzgefäßverengung, Zustand nach Ballondilatation, Stent oder gar mit zeitweiliger Angina pectoris sollten bei Kälteexposition immer ein Nitroglycerin-Spray bei sich führen, um einem Koronarspasmus mit dem fatalen Übergang in einen Herzinfarkt vorzubeugen. Ihr Medicus