Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

04.09.2001

Immer Ärger mit dem Kropf

Jodmangel und Schilddrüsenvergrößerung


Der Zusammenhang zwischen Jodmangel und Schilddrüsenvergrößerung ist seit langem bewiesen. In Deutschland besteht nach wie vor ein Jodmangel. Über die Nahrung werden nur etwa 70 Mikrogramm Jodid pro Tag aufgenommen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt jedoch für Erwachsene eine Mindestzufuhr von 150-300 Mikrogramm Jodid/Tag. Dieses Defizit kann durch Verwendung von jodiertem Speisesalz und Genuss von Meeresfisch nur unzureichend ausgeglichen werden.

Die Folge des Jodmangels führt zu einem Größenwachstum der Schilddrüse, die diffus oder knotig wachsen kann. Die typische Jodmangelstruma führt erst nach erheblicher Größenzunahme zu Druck und Engegefühl am Hals, Schluckbeschwerden und zuletzt Luftnot. Der klassische „Kropf', also eine erheblich vergrößerte, knotig durchsetzte Schilddrüse, ist durch die bessere Prophylaxe bei Jugendlichen mittlerweile selten geworden.

Die Ultraschalluntersuchung hilft, echoarme (potentiell gefährlich) von echoreichen Knoten zu unterscheiden. Im Zweifelsfall klärt die Feinnadelbiopsie, ob schon Bösartigkeit vorliegt.

Wichtig ist die Überprüfung der Schilddrüsenfunktion. Dabei werden die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Tetrajodthyronin bestimmt, bei denen es sich um Eiweißkörper mit zentralem Jodatom handelt, die bei Überfunktion erhöht und bei Unterfunktion erniedrigt sind. Die gleichzeitige Bestimmung des Hypophysenvorderlappenhormons TSH, das die Schilddrüse stimuliert, gibt Auskunft über einen intakten Regelkreis. Die Szintigraphie der Schilddrüse zeigt das Speichermuster der Drüse, d.h. inwieweit sogenannte heiße oder kalte Knoten vorliegen. Letztere neigen zur Entartung, eine Schilddrüsenentfernung ist oft erforderlich.

Die sogenannten heißen Knoten führen zur Überschwemmung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen im Sinne einer Überfunktion. Typische Zeichen sind Gewichtsabnahme, Haarausfall, Durchfälle, innere Unruhe und Herzrhythmusstörungen.

Die Hyperthyreose kann auch ausgelöst werden durch eine Autoimmunreaktion gegen Schilddrüsengewebe. Wir sprechen dann von der Basedow-Struma, die häufig einhergeht mit dem Hervortreten der Augäpfel (Glanzauge). Die Bestimmung eines spezifischen Antikörpers gegen den TSH-Rezeptor führt zur Diagnose. Auch Schilddrüsenentzündungen führen zur „Struma'.

Schnell wachsende Schilddrüsenknoten sind immer verdächtig

Schnell wachsende Schilddrüsenknoten sind immer verdächtig auf ein Karzinom, Häufigkeit 2-5 Fälle/100.000 Einwohner. Auf Entartung verdächtig sind szintigraphisch nicht jodspeichernde sogenannte kalte Knoten. Eine Feinnadelpunktion des auffälligen Bezirkes hilft bei der Entscheidung weitere Beobachtung oder Operation. Ein Schilddrüsenkarzinom ist mit weniger als 1% aller Krebserkrankungen erfreulicherweise recht selten. Dennoch sind alle schnell wachsenden Knoten krebsverdächtig und sollten mit der übrigen Drüse entfernt werden.

Vordringliches Ziel bleibt es, die Entwicklung eines ebenso hässlichen wie überflüssigen Kropfes, medizinisch Struma genannt, zu vermeiden. Das gelingt auf Grund der oben aufgeführten Jodmangelsituation nur durch zusätzliche Gabe von Jodid in Tablettenform (200 Mikrogramm/Tag). Dies gilt insbesondere für Personen mit familiärer Kropfbelastung.

In den Alpenländern mit ihrem ausgeprägten Jodmangel in Grundwasser und Nahrungsmitteln wurde die Kropfhäufigkeit durch eine generelle Jodanreicherung des Speisesalzes auf ein Minimum reduziert.

Der früher häufige „Kretinismus', eine von Geburt an vorhandene geistige und körperliche Retardierung („Kretin') durch Jodmangel in der Schwangerschaft, gehört der Vergangenheit an. Im nordindischen Bundesstaat Sikkim beträgt dagegen nach einer amtlichen Statistik die Zahl der jodmangelgeschädigten „Kretins' noch über 3% der Bevölkerung.

¨

Ihr Medicus