Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

30.05.2005

Herzdruckmassage besser als Nichtstun

Laien-Reanimation wird immer wichtiger


Viele von uns haben es schon erlebt. In der Einkaufszone, auf dem Bahnhof oder zu Hause bricht ganz plötzlich ein zumeist älterer Mensch zusammen und liegt reglos auf dem Boden.

Im Zeitalter der vielen Handys kein Problem, möchte man meinen. Schnell die Notfall-Nr. 112 gewählt und der NAW kommt.

Doch bis zum Eintreffen von Arzt und NAW vergeht zu viel Zeit. Unser Sauerstoff verwöhntes Hirn hält nur wenige Minuten Herzstillstand aus, dann ist es dauerhaft geschädigt. Kundige Ersthelfer sollten daher unverzüglich mit der Wiederbelebung (Reanimation) beginnen.

Diese besteht in erster Linie aus der Herzdruckmassage (HDM) in Kombination mit der Atemspende, sei es Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase. Die zweimalige Atemspende sollte nach 15-maliger HDM erfolgen. Nach neueren Erkenntnissen ist auch die alleinige HDM bis zum Eintreffen des NAW ausreichend, da der Sauerstoffvorrat nach komplettem Herz-Kreislaufstillstand noch etwa für zehn Minuten reicht.

Eine zusätzliche Atemspende bringt wegen der Unterbrechung der HDM die minimale Zirkulation zum Erliegen und wird von vielen Laienhelfern aus Angst vor Ansteckung und Ekelgefühl auch abgelehnt. Ziel einer Reanimation durch kundige Laien ist es, eine wirksame HDM durchzuführen.

Nach richtiger Lagerung des nicht mehr atmenden Bewusstlosen auf harter Unterlage, ggf. Fußboden, Freimachen der Atemwege(Gebissentfernung!) wird mit gestreckten Unterarmen in der Mitte des Brustbeins eine Hand auf die andere gelegt und mit der ganzen Kraft des Körpers der Brustkorb etwa 4 bis 5 cm eingedrückt, anschließend wieder entlastet. Frequenz der HDM etwa 60 Mal pro Minute. Allein dadurch ist ein minimaler, das Hirn mit Sauerstoff versorgender Kreislauf gewährleistet.

Noch erfolgreicher könnte die Reanimation sein, wenn die Möglichkeit zur Frühdefibrillation bestünde. Nur durch „Elektroschock“ lässt sich nämlich das dem Kreislaufstillstand beim Herzinfarkt zugrunde liegende Kammerflimmern effektiv beseitigen.

Auf dem Frankfurter Flughafen mit über 49 Millionen Passagieren jährlich konnte 2004 durch den Einsatz automatisierter externer Defibrillatoren(AED) vier Menschen das Leben gerettet werden.

Eine generelle Empfehlung zur Aufstellung eines AED an jeder Straßenecke ist daraus aber nicht abzuleiten, da nur geschultes Personal - wie auf dem Flughafen- damit umzugehen weiß und auch eine gewisse Häufigkeit des Ereignisses von mindestens ein Herz-Kreislaufstillstand pro Jahr durch Kammerflimmern gegeben sein muss.

Sind Sie neugierig geworden und wollen Sie mehr wissen oder gar zum fachkundigen Helfer in Sachen Reanimation werden? Dann besuchen Sie doch die Informationsveranstaltung am Donnerstag, 2. Juni, von 17 bis 20.30 Uhr im Bürgerhaus Espelkamp über dieses Thema. Initiatoren sind das Stadtmarketing und die Deutsche Herzstiftung. Ihr Medicus