Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

08.11.2006

Herz, was bedränget dich so sehr?“

Wann Rhythmusstörungen behandelt werden müssen


Schwerpunktthema der Herzwoche sind Herzrhythmusstörungen. Einerseits, weil sie so häufig sind; andererseits, weil sie oft Frühzeichen für eine organische Herzerkrankung und damit tödlich sein können.

Jede(r) von uns hat schon dann und wann über Herzklabastern geklagt. Die Pumpe ist halt unser zentrales Organ und von vegetativen Nervenfasern durchzogen. Es reagiert sehr sensibel auf jede Art von psychophysischem Stress. Das Herzjagen nach großem Erschrecken oder Aufregung ist daher als harmlos anzusehen. Es verschwindet auch gleich wieder.

Anders liegt die Sache, wenn aus heiterem Himmel immer wieder Herzjagen (Tachykardien) auftritt und mit unangenehmen Empfindungen wie Druck in der Brust, Luftnot, Schwindel einhergeht und der Herzrhythmus nicht nur schnell, sondern auch ganz unregelmäßig ist.

Während bei der gutartigen Form des Herzjagens oftmals einfache Maßnahmen wie Luftanhalten oder Trinken eiskalten Wassers den normalen Rhythmus wiederherstellen, sind beim sogenannten Vorhofflimmern medikamentöse Maßnahmen oder sogar eine Defibrillation notwendig. Bei dieser häufigsten Rhythmusstörung liegt eine völlig ungeordnete Aktivität der Vorhöfe vor mit Vorhoffrequenzen bis 400/Minute. Der Sinusknoten als oberster Schrittmacher ist ausgefallen. Lediglich der AV-Knoten zwischen Vorhöfen und Kammern filtert die meisten Flimmerwellen heraus, so dass die Kammerfrequenz auf 120 bis 160 Schläge pro Minute reduziert wird.

Im normalen Oberflächen-EKG sind die Flimmerwellen vielfach nicht zu erkennen, lediglich die vollkommen unregelmäßigen Abstände der Kammeraktionen führen uns zur Diagnose. Die Ursachen des Vorhofflimmerns sind unbehandelter oder schlecht eingestellter Bluthochdruck, Herzkranzgefäßverengungen, Herzerweiterung, Klappenfehler und Schilddrüsenüberfunktion. Hervorzuheben bleibt, dass das Vorhofflimmern eine typische Erkrankung des Alters ist und hier besonderer Aufmerksamkeit bedarf, da es bei Permanenz mit einem um den Faktor 8 höheren Schlaganfallrisiko einhergeht. Bei Jüngeren kann es sich auch um ein harmloses sogenanntes „holiday heart syndrom“ handeln, dem ein Saufgelage mit Elektrolytverlusten vorausging. Therapeutisches Ziel ist die möglichst schnelle Re-Rhythmisierung mit Frequenznormalisierung. Dafür stehen eine Reihe von Substanzen zur Verfügung.

Helfen alle medikamentösen Maßnahmen nicht , so ist durchaus eine elektrische Kardioversion angezeigt. Bei zeitweiligem Vorhofflimmern ist eine bedarfsweise Kurzzeittherapie mit einem vorher ausprobierten Medikament vertretbar. Lässt es sich auch dadurch nicht dauerhaft vertreiben, so bliebe noch die Katheterablation, bei der die instabilen(ektopen) Bezirke im Reizleitungssytem gezielt verkocht werden. Alternativ bietet sich an, lediglich die Herzfrequenz zu kontrollieren durch Betablocker.

Sind Sie neugierig geworden? Besuchen Sie doch eine der Veranstaltungen und warten nicht erst bis Ihr Herz sich meldet wie beim ewig jungen Goethe: „Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr? Welch ein fremdes, neues Leben! Ich erkenne dich nicht mehr.“ Um dann in der letzten Strophe uns die Auflösung zu präsentieren: „Die Veränderung, ach wie groß! Liebe! Liebe! Lass mich los!“

Danach ist die Diagnose klar: Gutartige Form der Herzrhythmusstörung durch Liebeskummer!Ihr Medicus