Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

07.03.2006

Hausmittel oder gleich Antibiotika?

Behandlung der akuten Bronchitis


Noch ist der Winter nicht vorbei und die Gefahr einer Grippeepidemie nicht gebannt. Mit jedem Tag wird sie aber unwahrscheinlicher und damit auch die gefürchtete Vereinigung des menschlichen Grippevirus mit dem Vogelgrippevirus, die in Ermangelung eines schützenden Impfstoffes zu einer weltweiten, verheerenden Seuche (Pandemie) führen könnte.

Als Hausarzt hat man es zurzeit zumeist mit banalen oberen Atemwegsinfekten zu tun, die landläufig als Erkältungsschnupfen bezeichnet werden. Rutscht der Infekt aber tiefer und ist mit quälendem Husten verbunden, so sprechen wir von einer akuten Bronchitis. Diese ist zu 80 Prozent viral bedingt und eine Antibiotikatherapie daher zwecklos. Die Therapie richtet sich nach den Symptomen. Gegen den vor allem nachts quälenden Hustenreiz verordnet der Hausarzt ein Kodeinpräparat, bei Unverträglichkeit kann auch das nicht so wirksame Silomat oder Capval verordnet werden. Die leidigen Kopf- und Gliederschmerzen sprechen gut an auf Acetylsalicylsäure (Aspirin) oder Paracetamol. Der Schnupfen wird mit abschwellenden Nasentropfen gebändigt.

Nicht selten kommt es zu einer bakteriellen Superinfektion mit gelb-grünem Auswurf. Dann sind Antibiotika erforderlich. Das gleiche gilt natürlich bei einer Lungenentzündung, die in der Regel mit einem deutlichen Krankheitsgefühl einhergeht, keineswegs aber immer mit hohem Fieber. Letzteres ist immer typisch für die echte Grippe (Influenza) und die eitrige Mandelentzündung (Tonsillitis). Die Antibiotikatherapie sollte bei eitriger Bronchitis über mindestens fünf Tage, bei Lungenentzündung über mindestens zehn Tage erfolgen. Eine Austestung des Keimes durch Einschicken des Auswurfs ist bei den heute zur Verfügung stehenden hervorragenden Breitspektrumantibiotika nicht erforderlich. Wir sprechen daher von einer kalkulierten Antibiotikatherapie, die im Falle der eitrigen Bronchitis die häufigsten Leitkeime fast immer erfasst.

Beliebt und bewährt ist die zusätzliche Gabe von Schleimlösern wie Ambroxol (Mucosolvan), N-Acetylcystein (ACC) oder Cineol (Gelomyrtol), sofern eine stärkere Verschleimung besteht. Handelt es sich nur um einen trockenen Husten, so können Secretolytica die Symptome sogar verschlimmern.

Verschlechterung der Lungenfunktion

Tipps aus Omas Hausapotheke können ebenfalls lindern, wie etwa Fencheltee mit Honig, Einreibungen mit ätherischen Ölen (Pinimenthol) und Inhalation mit Emser-Salz.

Leiden Patienten an einer Grunderkrankung wie Asthma bronchiale, chronische Bronchitis oder Diabetes mellitus, so ist bei entsprechenden Symptomen eine frühzeitige Antibiotikatherapie sinnvoll, um Komplikationen wie Bronchopneumonien, aber auch Verschlechterung der Lungenfunktion oder Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden.

Klingt bei einer akuten Bronchitis der Husten nach acht Wochen nicht ab, so besteht die Gefahr der Entwicklung einer chronischen Bronchitis. Um diese zu vermeiden, sollten dann auch bronchialerweiternde und entzündungshemmende Mittel (Kortison) in inhalativer Form zum Einsatz kommen.

Ganz wichtig ist die konsequente Einstellung des Rauchens. Es gibt keine günstigere Gelegenheit mit dem Rauchen endgültig aufzuhören als eine akute Bronchitis, was ich meinen Patienten immer wieder versuche klarzumachen.

Denn erstens schmeckt keine Zigarette bei einem Atemwegsinfekt, zweitens verhindert die Zigarette die Selbstreinigung der Bronchialschleimhaut und drittens bewirkt sie auch noch Schwund im Portemonnaie.

Ihr Medicus