Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

26.01.2002

Gut vorbereitet auf die Piste

Skigymnastik schützt vor Verletzungen


Nun sausen sie wieder die Piste hinunter, die rund vier Millionen deutschen Skifahrer. Leider endet der Skispaß häufig mit Verletzungen und nicht selten sogar im Krankenhaus. Durch technische Verbesserungen ist die Verletzungshäufigkeit seit 1950 zwar gesunken. Doch mit den Verbesserungen trat auch eine Verlagerung typischer Verletzungsmuster ein.

Früher erwischte es vorwiegend die Sprunggelenke und Unterschenkel, die damals die Hälfte aller Skiverletzungen ausmachten. Mit dem Einführen höherer und steiferer Stiefelschäfte wurden die Rotationskräfte auf Skischuh und Bindung übertragen und das Sprunggelenk geschützt. Die Frakturhäufigkeit sank dadurch auf 7 Prozent – dafür verdreifachte sich das Risiko für Knieverletzungen.

Innenband- und Kreuzbandrupturen machen mittlerweile einen Anteil von 35 Prozent aller Skiverletzungen aus. Risse des Meniskus sind fast immer mit Bandverletzungen kombiniert, insbesondere das vordere Kreuzband ist in Gefahr. Auch Schulter- und Armverletzungen sind häufig durch Stürze auf den ausgestreckten Arm bei hoher Geschwindigkeit; nicht zu vergessen ist der „Skidaumen“, ein Seitenbandriss am medialen Daumengrundgelenk, durch Verdrehen des Daumens in der Skistockschlaufe. Anfänger tragen ein fünffach höheres Risiko, sich zu verletzen als ein erfahrener Skiläufer. Sie überschätzen ihre Kondition und die Pistenverhältnisse. Müdigkeit und muskuläre Erschöpfung führen zu fehlerhafter Körperhaltung und technischen Fehlern.

Was ist also dagegen zu tun? Wer nicht das ganze Jahr über regelmäßig Sport treibt, sollte unbedingt in der Vorsaison Skigymnastik betreiben. Nur so sind die im alpinen Skisport erforderlichen hohen Anforderungen an Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Geschicklichkeit zu erreichen. Wer die Gelenke besser schützen möchte oder gar schon einen Gelenkschaden hat, kann beim Skifahren spezielle Bandagen tragen. Die textilen Fertigbandagen für Knie, Ellenbogen, Handgelenk oder Sprunggelenke gibt es in den Apotheken und Sanitätshäusern.

Kniebandagen schützen über die seitlich stützenden Stäbe nicht nur vor schweren Verletzungen der Bänder und Menisken, sondern führen über die Stimulierung spezieller Körpersensoren zu reflexartiger Kontraktion der stabilisierenden Muskelgruppen mit verbesserter Kontrolle über das Gelenk insbesondere bei sulziger oder vereister Piste. Außer den genannten Verhaltensmaßregeln gibt es noch eine sogenannte Dreier-Regel, die ermüdungs- und erschöpfungsbedingten Verletzungen vorbeugt: „Verlass die Piste vor 3 Uhr. Geh am dritten Tag einkaufen. Sei aufmerksam, wenn Du oberhalb von 3.000 Metern Ski fährst!“ Eine vierte Regel möchte ich noch hinzufügen: zünftige „Einkehrschwünge“ mit diversen Obstlern nicht schon mittags, sondern erst nach Beendigung des Skitages - zum Wohle Ihrer „Knochen“. In diesem Sinne Ski Heil!

Ihr Medicus