Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

10.12.2002

Grippe oder Erkältung – das ist die Frage

Warum gegen Grippe impfen ?


Kürzlich saß eine Dame mittleren Lebensalters vor mir und klagte über eine schreckliche Triefnase, Niesen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie leicht erhöhte Temperaturen so um die 37,5 Grad. Sie fühlte sich krank, was man ihr auch ansah. „Warum habe ich mich nur vor einer Woche gegen Grippe impfen lassen, Herr Doktor, jetzt habe ich sie erst recht“, entgegnete sie mit vorwurfsvollem Ton.

Nicht jede Erkältung ist eine Grippe

Nun war zwar noch nicht Matthäi am letzten, aber guter Rat teuer! Irgendeine Beschwichtigungsformel wie: das wird schon wieder oder da müssen „wir“ durch, hätte die Dame nur noch mehr in Rage gebracht. Betont sachlich erklärte ich ihr, dass nicht jede Erkältung eine Grippe sei. Letztere würde ziemlich plötzlich einsetzen, sei mit hohem Fieber(über 39 Grad) und erheblichem Krankheitsgefühl verbunden.

Ihre „Grippe“ sei also eine typische Erkältung, die ebenfalls durch eine Vielzahl von Viren(Rhinoviren) ausgelöst wird, aber beileibe nicht so schwer verläuft wie die „echte“ Grippe, die berühmt-berüchtigte Influenza, die im Ersten Weltkrieg als „spanische Grippe“ mehr Menschen dahingerafft hat als das Gemetzel auf den Schlachtfeldern. Abhilfe und Linderung bei einer Erkältung wie dieser schaffen die üblichen Hausmittel wie ASS („Aspirin“), Paracetamol, Schonung, Wadenwickel , abschwelllende Nasentropfen und Inhalationen mit Sole oder ätherischen Ölen.

Das Zusammentreffen der Erkältung mit der kürzlich erfolgten Impfung sei rein zufällig und keineswegs ursächlich. „Warum dann aber eine Grippeimpfung“, insistierte die hartnäckige Patientin nicht ganz zu Unrecht. Zum einen wegen des schweren Krankheitsverlaufs einer „echten“ Grippe mit den Komplikationen Lungen-, Mittelohr- und Hirnhautentzündungen, zum anderen wegen der unspezifischen Immunstimulation nach Impfung, die den Körper abwehrbereit macht auch gegenüber einer Vielzahl anderer Viren.

Im Dezember noch Zeit für Grippeschutzimpfung

Bei akuter Erkrankung an „Influenza“ helfen der Grippespray Relenza (Zanamivir), 2-mal täglich inhaliert,oder in Tablettenform Adamantin 200 mg und neuerdings Tamiflu 100 mg täglich, die Symptome zu lindern und den Heilungsverlauf zu verkürzen. Besser ist es aber, rechtzeitig, mindestens 14 Tage vor Ausbruch der Epidemie, geimpft zu sein – so lange braucht nämlich eine wirksame Antikörperbildung. Da die meisten Epidemien im Januar/Februar ablaufen, ist im Dezember noch Zeit für eine Grippeschutzimpfung. Jedes Jahr kommt es zu kleineren Grippewellen.

Die letzte große Epidemie in Deutschland war 1995/96 mit einer Übersterblichkeit von 20000 Menschen gegenüber epidemiefreien Jahren . Eine größere Grippe-Epidemie ist rein statistisch gesehen nur eine Frage der Zeit.

Also, versäumen Sie keine Zeit mehr, gehen Sie zu Ihrem Hausarzt und lassen sich impfen! Wenn es sein muß, auch im Januar, sofern die Grippe noch nicht in den Startlöchern. Gegenanzeigen sind lediglich Fieber und eine Allergie auf Hühnereiweiß. Ansonsten gibt es keine Ausreden! Die Impfung schützt nicht nur den eigenen Körper, sondern auch die Übertragung auf Angehörige und sonstige Kontaktpersonen. Bei einer Durchimpfungsrate von 75 Prozent, von der wir weit entfernt sind, hätte Grippe keine Chance! Nutzen Sie die Ihrige!

Ihr Medicus