Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

20.08.2004

Gefahr im Anflug

Der Medicus sagt, was zu tun ist, wenn Schwarzgelbe anreifen


Funk und Fernsehen, aber auch Printmedien berichten heuer über eine ungewöhnliche Wespenplage in Heim und Gärten. Auch von Todesfällen infolge anaphylaktischer Schocks wurde bereits berichtet. Die „Bild“-Zeitung rief sogar einen „Wespen-Alarm“ aus und forderte für die geplagte Nation das „Wespen-Einsatz-Kommando“ (WEK), eine Art GSG 9 mit Giftspritzen statt Maschinengewehren.

Ursache der Wespenplage ist vermutlich der großartige Sommer letzten Jahres, der besonders viele Königinnen hervorbrachte, die nach einem schwachen Winter viele und starke Wespenvölker erzeugt haben. Dagegen ist leider nichts mehr auszurichten.

Bei Atemnot sollte auch Adrenalin verabreicht werden

Um nicht gestochen zu werden, sollten daher einige Verhaltensregeln beachtet werden:

Grundfalsch ist es, beim bloßen Anblick einer im Zickzack-Kurs heransummenden Wespe wild um sich zu schlagen. Die Wespe sieht nämlich schlecht und fliegt nur den verwirbelten Gerüchen auf dem Gartentisch nach. Sie hat gar kein Interesse an Menschenfleisch. Viel lieber mag sie Marmeladenbrote und Grillwürstchen zur Aufzucht der Larven in ihren Nestern.

Aggressiv und stechlustig wird sie nur, wenn man sich diesen Nestern nähert oder die Wespen „klatschen“ will. Auch sollte man Lockstoffe wie Haarspray, Parfum, süße Speisen, ebenso wie buntschillernde Kleidung, insbesondere in der Farbe Gelb, vermeiden. Wird man trotzdem gestochen, so sind ruhig Blut und sofortige Kühlung angesagt, damit das Gift nicht zu schnell in die Blutbahn gelangt.

Wespengift, ein Cocktail aus zwanzig verschiedenen Stoffen, ist weniger toxisch als Bienengift, dafür hochallergen. Ganz gefährlich ist es daher für die ein bis fünf Prozent der hiesigen Bevölkerung mit Wespengiftallergie, die leider im Vorhinein meistens nicht bekannt sind.

Tritt nach dem Stich nur eine lokale Rötung mit Juckreiz auf (Grad I), so ist lokale Kühlung und ein Antihistaminikum (Gel und Tabletten) ausreichend. Ab Grad II zeigen sich außer der Nesselsucht (Urtikaria) die typischen Allgemeinsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckabfall und Bronchospasmus (Grad III), und letztlich der gefürchtete, intensivmedizinisch zu behandelnde anaphylaktische Schock mit Atem- und Kreislaufstillstand (Grad IV). Der Übergang vom Stadium II zum Stadium IV kann sehr schnell erfolgen. Es ist daher schon frühzeitig die Gabe von Antihistaminika und Kortison angebracht, gegebenenfalls intravenös.

Bei Atemnot sollte auch Adrenalin verabreicht werden, zum Beispiel als „Epinephrin Medihaler“ oder als Adrenalin-Fertigspritze.

Jedem Patienten, der schon einmal auf einen Stich stark allergisch reagiert hat, sollte ein Notfallset mit den oben erwähnten Präparaten verordnet werden, damit er bis zum Eintreffen des Notarztes sich selbst helfen kann.

Falls eine schwere Wespengiftallergie nachgewiesen wurde, ist eine Hyposensibilisierungstherapie angebracht.

Wichtigstes Prinzip bei der Begegnung mit Wespen bleibt es, Ruhe zu bewahren, nicht wild um sich zu schlagen, keine ruckartigen Bewegungen zu machen und sich von den Nestern fernzuhalten.

Ihr Medicus