Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

16.10.2003

Gefährliche Umwelt, riskantes Verhalten

Serie (II): Wie Krebs entsteht und zu bekämpfen ist


Das leidige Rauchen ist der bedeutendste individuelle Risikofaktor für die Entstehung von Krebs. Diese Art der hausgemachten Luftverschmutzung ist für 90 Prozent der Lungenkrebse und 30 Prozent aller übrigen Krebsfälle verantwortlich. Luftschadstoffe schlagen nur mit einem Prozent zu Buche.

Das Risiko eines Rauchers an Krebs zu erkranken steigt mit der Anzahl der Zigaretten. Starke Raucher(= mehr als ein Päckchen Zigaretten pro Tag) haben ein um 10- bis 20fach erhöhtes Risiko für Lungenkrebs. Selbst bei Passivrauchern ist das Lungenkrebsrisiko noch um 20 Prozent erhöht, da der Nebenstromrauch die Schadstoffe in höherer Konzentration als der Hauptstrom enthält. Nach zehn Jahren Nikotinstopp haben Ex-Raucher immerhin das gleiche Krebsrisiko wie Nichtraucher. Es lohnt sich also.

Fröhlicher Begleiter der Zigarette ist oft „König“ Alkohol, der im Übermaß genossen das Risiko des Rauchers für Krebserkrankungen von Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf und Speiseröhre erheblich potenziert. Ein bislang arg vernachlässigter, ja verschwiegener Risikofaktor ist starkes Übergewicht. Langzeitstudien in den USA ergaben bei einem BMI von mehr als 40 (BodyMassIndex=Körpergewicht/Körpergröße imQuadrat) ein bis zu 50 Prozent höheres Krebsrisiko gegenüber Normalgewichtigen (BMI19-25).

Zu viel tierische Fette, zu wenig Ballaststoffe, gepökelte, geräucherte und stark gesalzene Lebensmittel wirken krebsbegünstigend. Hinzu kommt das Fehlen von Schutzstoffen bei an Obst, Gemüsen, Früchten und Getreideprodukten armer Ernährung mit Mangel an Flavonoiden, Carotinoiden, Folsäure, Selen, Vitamin C sowie Vitamin E, die als Antoxidanzien gelten. Auch Mikroben können das Erbgut unserer Körperzellen so verändern, dass Krebs entsteht. Hepatitis-B-Viren führen über eine chronische Hepatitis oft zu Leberkrebs. Humane Papillomviren können gutartige Warzen, aber auch Gebärmutterhalskrebs auslösen. Aids-Patienten im fortgeschrittenen Stadium sind durch ihre Immunschwäche oft von einem gefährlichen Herpesvirus(HHV8) befallen, das ein Kaposi-Sarkom verursacht. Der bei vielen sich im Magen tummelnde Keim Helicobacter pylori ist nicht nur für Magen- und Darmgeschwüre verantwortlich. Er kann über eine chron. Gastritis auch Magenkrebs auslösen. Erbliche Faktoren für die Krebsauslösung (“Krebsgen“) liegen lediglich bei etwa fünf Prozent.

Bei familiärer Häufung von Darm- und Brustkrebsen ist die Vorsorge zu intensivieren. Den ersten berufsbedingten Krebs beschrieb der englische. Chirurg Percival Pott 1775 bei Schornsteinfegern, die häufig an Tumoren des Hodensacks erkrankten. Er vermutete richtig, dass Ruß- und Teerablagerungen in den Kaminen zum Krebs führten. Seitdem sind eine ganze Reihe weiterer Karzinogene am Arbeitsplatz und in der Umwelt entdeckt worden. Beispiele sind Asbest, Arsen, Cadmium, halogenierte Kohlenwasser stoffe, Dioxine, Dieselruß, Formaldehyd, um nur einige zu nennen.

Wohl kaum ein Risikofaktor außer Rauchen ist so eingehend untersucht worden wie die ionisierende Strahlung. In hohen Dosen – wie nach den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki – erzeugt sie Krebs fast jeder Art. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 sind gehäuft bislang Schilddrüsentumoren bei Kindern beobachtet worden. Ursache ist die Aufnahme von radioaktivem Jod 131 aus dem zerborstenen Reaktor. Eine frühzeitige Verteilung von Jodtabletten hätte die Zerstörung u. Entartung vieler kindlicher Schilddrüsen verhindern können.

Auch die natürliche UV-Strahlung kann bei zunehmendem Ozon-Loch unsere Haut schädigen. Folge sind Stachel- und Basalzelltumoren auf den sonnenexponierten Hautstellen. Viel gefährlicher ist der schwarze Hautkrebs, das Melanom, das nach schweren Sonnenbränden in der Kindheit vermehrt auftritt.

Krebs wird durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst, nicht alle führen zum Ausbruch. Häufig gelingt dem Körper die Reparatur oder die Abschaltung der entarteten Zellen, Stichwort Apoptose. Wenn nicht, befindet sich der Krebs erst einmal im Frühstadium mit guten Heilungschancen.

Über den Wert der Früherkennungsmaßnahmen (Vorsorge) und die modernen Methoden der Krebsbekämpfung - Stahl, Strahl, Chemie - nächste Woche mehr.

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