Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

17.03.2004

Frühling ohne Triefen und Tränen

Wie entsteht und was hilft gegen Heuschnupfen


Vom Eise befreit sind längst noch nicht alle Ströme und Bäche, da fliegen schon die ersten Pollen wie Hasel, Erle, Birke und treiben die Pollen-Allergiker in die Wartezimmer. Die allergische Rhinitis (AR), wie der Heuschnupfen in der Fachsprache heißt, ist die häufigste immunologische Erkrankung. Etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung leiden daran, wobei die meisten vor dem 30.Lebensjahr erkranken.

Man unterscheidet zwei Formen. Die ganzjährige (perenniale) AR wird hauptsächlich durch Schimmelpilz- und Hausstaubmilbenallergene, aber auch Katzenhaare ausgelöst, die saisonale AR durch Baum- und Gräserpollen. Beiden gemein ist die behinderte Nasenatmung infolge Schleimhautschwellung mit wässriger Sekretion, quälendem Juckreiz in Nase und Augen sowie häufigem Niesen. Als Ursache wird sowohl eine erbliche Veranlagung als auch eine hohe Exposition gegenüber Allergenen und Schadstoffen in der Luft angenommen.

Kinder in Großstädten besitzen gegenüber Kindern vom Land ein weit höheres Allergisierungsrisiko. Biochemisch läuft eine allergische Entzündungsreaktion vom Soforttyp ab, die im schlimmsten Fall zu einem Asthmaanfall führen kann. Man spricht dann vom „Etagenwechsel“, den es zu vermeiden gilt. Zur Prophylaxe geeignet sind sogenannte Mastzellenstabilisatoren wie DNCG, die alle vier Stunden auf die Augen- und Nasenschleimhaut aufgetragen werden müssen, um Fließschnupfen und Augenjucken zu vermeiden.

Besser praktikabel sind sogenannte Antihistaminika, die durch eine Blockierung der Histaminrezeptoren auf den Mastzellen wirken und Triefen und Tränen verhindern oder lindern. Neuere Substanzen wie Loratidin und Cetirizin machen kaum noch müde und sind obendrein nicht rezeptpflichtig. Die Weiterentwicklungen Desloratidin (Aerius) und Levocetirizin (Xusal) zeigen in der Praxis keine wesentlichen Vorzüge, sind aber erheblich teurer und rezeptpflichtig.

Quält der Heuschnupfen sehr und schlagen Tabletten, Nasensprays und Augentropfen nicht an, so ist durchaus die i.m. Injektion eines Depot-Kortikoids(z.B. Volon A 40) erlaubt, das für drei bis vier Wochen Symptomfreiheit beschert. Bei den neuesten medikamentösen Entwicklungen ist Montelukast(Singulair), ein Leukotrienrezeptorantagonist, hervorzuheben, das die entzündliche Komponente deutlich hemmt und besonders bei Kindern statt Kortikoiden oder müde machenden Antihistaminika eingesetzt wird.

Die einzige kausale und wissenschaftlich belegte langfristige Therapie ist die Hyposensibilisierung bzw. die spezifische Immuntherapie (SIT). Dabei werden speziell aufbereitete Allergenextrakte in steigender Dosierung unter die Haut gespritzt oder geschluckt, um eine Toleranz des Körpers auf die eigentlich harmlosen Allergene zu erzeugen.

Die WHO empfiehlt mit der SIT möglichst frühzeitig zu beginnen, bevor es zu dem gefürchteten „Etagenwechsel“ mit Auftreten asthmatischer Beschwerden kommt. Gegenanzeigen sind lediglich schwere Infekte, eine bestehende Immunschwäche und stärkeres Asthma. Die SIT muss mindestens drei Jahre hintereinander durchgeführt werden, bevor der Erfolg beurteilt werden kann.

Falls noch Fragen, gehen Sie doch zu ihrem Hausarzt oder fragen Sie den Apotheker!

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