Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

22.05.2007

Etagenwechsel vermeiden

Fachmann rät: Heuschnupfen ernst nehmen! Asthma vorbeugen!


Der Heuschnupfen, korrekter bezeichnet als allergische Rhinitis (AR), zählt in Europa zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Jeder Vierte ist irgendwann in seinem Leben vom „Heuschnupfen“ betroffen und das Risiko für Asthma bronchiale steigt um das Dreifache.

Es gilt daher den „Etagenwechsel“ von der Nase in die Lunge zu vermeiden. Ursache für die AR ist - leider - nicht das „Heu“; denn das könnte man ja meiden.

Die wichtigsten Auslöser der AR sind Pollen(Gräser-, Baum-, Kräuterpollen), Hausstaubmilben, Tierepithelien(Katze, Hund, Pferd, auch Hamster), Schimmelpilze und diverse andere wie z.B. Latex und Pflanzen(Ficus benjamini).

Wichtigstes Merkmal der AR ist der allergische Schnupfen mit den typischen Symptomen Niesen, Nasenlaufen und Augenjucken bei Kontakt mit Frühblühern wie Birke, Erle und Hasel (Februar bis April), später mit Gräsern und ab Juni mit Getreidepollen (Roggen).

Der Pollenflugwarndienst in Funk und Presse kann helfen, rechtzeitig Prophylaxe zu betreiben und körperliche Anstrengungen (Sport!) zu vermeiden. Das gilt vor allem für sonniges Wetter und Wind, denn dann fliegen die Pollen besonders intensiv.

Bei schwerem Heuschnupfen ist es daher besser in geschlossenen Räumen zu verweilen. Zusätzlich sind Nasen- und Augentropfen erforderlich, z.B. die frei verkäufliche Kombination eines Antihistaminikums, das zweimal täglich verabreicht die Symptome lindert. Ist das Nasenlaufen und Augenjucken dadurch nicht zu stoppen sind Antihistaminika in Tablettenform einzunehmen.

Bewährt haben sich die frei verkäuflichen Medikamenteoder ihre Weiterentwicklungen, die nicht wesentlich wirksamer, dafür aber noch auf „Kasse“ bei schwerer allergischer Rhinitis verordnungsfähig sind. Oft lässt sich dabei die Verwendung kortisonhaltige Nasensprays nicht umgehen.

Sie stoppen schnell und sicher die nasale Sekretion.

Eine systemische Wirkung ist nicht zu befürchten. Sie sind allemal sicherer als die mitunter nicht zu umgehende orale Therapie mit niedrig dosierten Kortikoiden oder die Depotspritze mit 40mg Triamcinolon. Letztere kann durchaus ein- bis zweimal in mindestens dreiwöchigen Abständen bei schwerer allergischer Rhinokonjunktivitis verabreicht werden, vor allem bei schon vorhandenen asthmatiformen Beschwerden („Etagenwechsel“).

Die einzige kausale Therapie der AR ist die subkutane spezifische Immuntherapie (SCIT), bei der nicht modifizierte Allergene als wässrige oder physikalisch gekoppelte Extrakte oder chemisch modifizierte Extrakte(Allergoide) als Semidepotextrakte eingesetzt werden.

Die Wirksamkeit der SCIT ist bei Pollen- und Hausstaubmilbenallergie durch zahlreiche Studien belegt. Bei schon vorhandenem „Etagenwechsel“, das heißt manifestem Asthma bronchiale, ist davon abzuraten. Die Symptome könnten sich verschlimmern. Für die saisonale Pollinosis, also den klassischen „Heuschnupfen“ stehen seit einigen Jahren Kurzzeit-Schemata zur Verfügung: vier bis acht Injektionen in ein- bis zweiwöchigen Abständen(Semidepot-Extrakt) werden subcutan in der Vorsaison appliziert bis kurz vor Beginn der Pollenflugzeit.

Diese Therapie geht über drei Jahre und führt bei der AR in der Hälfte der Fälle zu einer deutlichen Besserung der Symptome, wenn nicht gar zur Beschwerdefreiheit.

Über die Wirksamkeit alternativer komplementärmedizinischer Methoden wie Akupunktur oder Homöopathie ist wenig bekannt und gesichert. Bei allergischer Rhinitis und Asthma hat sich in letzter Zeit Montelukast als erfolgreich und faktisch nebenwirkungsfrei erwiesen.

Der „Heuschnupfen“ bleibt nach wie vor ein weites und noch intensiv zu beackerndes Feld. Wie im wirklichen Leben gilt es, den Anfängen zu wehren und die AR gleich zu Anfang konsequent und effizient zu behandeln, um die Entwicklung eines die Lebensqualität erheblich einschränkenden Asthma bronchiale zu vermeiden!

Ihr Medicus