Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

08.02.2005

Die „Zeche“ zahlen die Patienten

Probleme mit Cholesterinsenkern - Welcher ist der Beste?


Seit 1. Januar 2005 müssen alle GKV-Patienten mit erhöhtem Cholesterin, die Sortis (Atorvastatin) einnehmen, für jede 100er-Packung knapp 57 Euro drauflegen. Vorausgegangen ist ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen (GBA), alle Statine(Cholesterinsenker) in einer Festbetragsgruppe zusammenzufassen, um damit die Kosten zu senken. Diese Entscheidung trifft besonders den Marktführer Sortis der Firma Pfizer, der noch bis 2011 patentgeschützt ist, im Gegensatz zu den Mitkonkurrenten z.B. Denan, Zocor(Simvastatin), Pravastatin, die schon als preiswerte Generika verschrieben werden. Die Firma klagt dagegen mit der Begründung, dass ihr Präparat als das beste nicht in die gleiche Gruppe gehöre und behält den alten Preis bei.

Den Aufpreis oder besser gesagt die „Zeche“ bezahlen die Patienten. Diese wird wiederum den von der Zuzahlung Befreiten und Sozialhilfeempfängern auf Antrag zurückerstattet. So weit, so schlecht! Könnte man meinen. Wie sieht die Datenlage aus? Tatsache ist, dass alle auf dem Markt befindlichen Cholesterinsenker die Herzinfarkt-Rate deutlich senken. Die meisten kontrollierten Studien gibt es über Pravastatin und Simvastatin. Beide sind schon seit über zehn Jahren auf dem Markt und gut erprobt. Sortis, der letzte und zumindest vom Umsatz erfolgreichste Fettsenker, kann erst seit drei Jahren mit sauberen Endpunktstudien aufwarten. Die CARDS-Studie (Collaborative Atorvastatin Diabetes Study, 2004) ergab bei Typ-II-Diabetikern mit nur gering erhöhten Cholesterinwerten unter der Einnahme von 10mg Sortis eine Senkung der Herzinfarkte um 37 Prozent, der Schlaganfälle sogar um 48 Prozent. Die PROVE-IT-Studie (2004), in der die Maximaldosis Sortis(80mg) bei Patienten nach akutem Koronarsyndrom mit einer Kontrollgruppe verglichen wurde, in der Pravastatin auf einen Zielwert von LDL = 125 mg/dl titriert wurde, ergab Vorteile für die stärkere Senkung unter Sortis auf 70mg/dl.

Dieser extrem niedrige Wert ist aber nur bei der kleinen Gruppe der Hochrisikopatienten, wie z.B. Z.n. Herzinfarkt, Bypass, PTCA mit Stent, persistierende Angina pectoris, sinnvoll.

Wofür soll sich nun der bisherige Sortis-Patient entscheiden? Zählt er zu der o.g. Hochrisikogruppe, so sollte er einen LDL-Wert unter 100mg/dl anstreben, wenn es nicht anders geht auch mit Sortis unter Zuzahlung. Alternativ kann neuerdings auch ein Kombinationspräparat (Inegy) aus Simvastatin und Ezetimid (Cholesterinaufnahmehemmer) eingenommen werden, das eine LDL-Senkung wie Sortis 80mg ermöglicht und keiner Zuzahlung bedarf.

In allen anderen Fällen kann auf Simvastatin, Pravastatin oder Fluvastatin(Locol) geldbörsenschonend und infarktpraeventiv umgestellt werden.

Ihr Medicus

PS.: PROVE-IT: Pravastatin or Atorvastatin Evaluation and Infection Therapy, 2004